Schwierige Situationen
Die biblische Grundlage für den Sonntag Palmarum ist die Erzählung, wie Jesus auf einem Esel in die Stadt Jerusalem hineingeritten ist. Ein Esel, das ist ein Arbeitstier zum Tragen von Lasten, gelegentlich auch Reittier der einfachen Leute. Wer auf einem Esel reitet, der sitzt nicht hoch, er kann denen, die an der Straße stehen oder zu Fuß gehen, in die Augen schauen. Mit ihnen befindet er sich auf einer Höhe.
Jesus wird von den Menschen am Straßenrand begrüßt wie ein König, weil er genau so außergewöhnlich wie ein politisch herrschender König ist. Er ist ein König der Freundlichkeit und des Friedens. Das ist es, was er den Menschen bringt und schenkt: Seine große Freundlichkeit und Frieden, die in der Liebe Gottes zu den Menschen ihren Grund haben. Jerusalem war zurzeit Jesu eine von den Römern besetzte Stadt. Die Folge waren viel Streitereien: Menschen aus Jerusalem gegen die Römer, Jerusalemer gegen Jerusalemer über den rechten Umgang mit den Römern.
Schwierige Situationen, in denen sich Menschen untereinander streiten und nicht einer Meinung sind, kommen auch bei uns vor: in der Familie, unter Freunden, in der Nachbarschaft, auf beruflicher Ebene. Manchmal dauert der Streit schon ewig und manchmal überrumpelt er einen, ist plötzlich wie aus dem Nichts entstanden.
Die Frage ist, wie gehe ich damit um? Schaffe ich es, wie Jesus auf einem Esel in die schwierige Situation hineinzureiten? Stelle ich die Freundlichkeit in den Vordergrund? Versuche ich in Ruhe die Situation zu verstehen? Höre ich zu, wenn der andere seine Sicht der Dinge darlegt? Gehe ich Schritte auf den anderen zu, damit wir gemeinsam eine schwierige Situation lösen können? Denn eins ist klar, wer wie Jesus auf einem Esel in eine schwierige Situation hineinreitet, der bringt Freundlichkeit mit, der möchte gerne Frieden erreichen. Der kann aus einer schwierigen Situation eine gute für alle machen.
Beatrix Eulenstein, Pfarrerin mit sozial-diakonischen Aufgaben