„Ich bin getauft.“ Drei einfache Worte – und doch tragen sie eine unglaubliche Kraft. Für Martin Luther waren sie so etwas wie der kürzeste Glaubensbekenntnissatz überhaupt. Immer wenn ihn Zweifel packten oder das Leben dunkel wurde, schrieb er diesen Satz mit Kreide an die Wand: „Ich bin getauft.“
Was meinte er damit? Vor allem dies: In meiner Taufe hat Gott sein Ja über mein Leben gesprochen. Und dieses Ja ist größer als alle Neins dieser Welt. Größer als Ablehnung, als Misserfolg, als die Stimme, die mir zuflüstert: „Du bist nicht genug.“
Luther war überzeugt: Gottes Ja ist stärker. Wenn der Schöpfer des Himmels und der Erde sagt: „Ich liebe dich“, wie könnten wir dann glauben, wir seien wertlos? In der Taufe wird uns zugesprochen: Du bist wunderbar gemacht. Du hast Würde. Du darfst dich mit dem Psalmisten freuen: „Gott, ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin.“
Wer dieses Ja Gottes annimmt, gewinnt Freiheit. Denn wenn mein Wert nicht davon abhängt, wie erfolgreich ich bin oder was andere über mich sagen, dann kann ich gelassener leben. Dann muss ich niemandem etwas beweisen – auch Gott nicht.
Luther hat es einmal großartig zusammengefasst: „Gott liebt uns nicht, weil wir schön sind. Weil er uns liebt, sind wir schön.“ Wer das glauben kann, steht fester im Leben. Der kann loslassen, was nur Fassade ist. Der findet Frieden mit sich selbst – und gerade solche Menschen verändern die Welt zum Guten, weil sie es nicht aus Eitelkeit tun, sondern aus innerer Freiheit.
Natürlich: Auch Luther musste sich immer wieder daran erinnern. Auch unser Alltag kann Gottes Ja in den Hintergrund drängen. Aber die Taufe bleibt. Gottes Zusage gilt. Unwiderruflich.
Marcel Friesen ist Pfarrer in Steinhagen