„O mein Gott!“ - einer der (gefühlt) am häufigsten gebrauchten Ausrufe, ob leise oder laut oder manchmal auch nur geflüstert. Was will man eigentlich damit sagen? Meist wohl nicht, was diese Worte nahelegen: Dass man Gott um Beistand und Hilfe anruft, wenn man mit einer schlimmen oder erschreckenden Situation nicht fertig wird. Dass man sich der Nähe dessen vergewissert, der Himmel und Erde und das ganze Universum gemacht hat und doch jedem und jeder von uns ganz nahe sein will. Dass man (ganz einfach gesagt) an Gott glaubt und ihm vertraut auch und gerade in den Nöten des Lebens. „O mein Gott!“ Damit kann natürlich auch ein Staunen ausgedrückt werden über die Größe und Schönheit seiner Schöpfung, die sich hartnäckig unserem Begreifen entzieht. Es kann auch ein Verzweiflungsruf sein wie bei Jesus, der am Kreuz nach Gott geschrien hat.
Leider drücken Menschen mit diesem Ausruf heutzutage oft nur sich selbst und die eigene Gefühlswelt aus, ihre Aufregung oder Wut oder auch ihr ungläubiges Entsetzen. Sollte man in so einem Fall Gott in den Mund nehmen, wenn man ihn gar nicht meint oder gar nicht an ihn glaubt? Das zweite Gebot (nach der Zählung Martin Luthers) warnt nicht umsonst vor dem Missbrauch des Gottesnamens.
An Gott glauben in unserer Zeit - wie geht das? Rezepte mit Erfolgsgarantie gibt es nicht dafür; ich würde allen Zweiflern und Verzweifelten, denen vielleicht Schlimmes passiert ist, vorschlagen, einfach mal wieder langsam ein Vaterunser zu sprechen und dabei nachzuspüren, wie mich das innerlich zur Ruhe bringen kann. Und es ist (glaube ich) schon viel gewonnen, wenn man sich klar macht, dass für Christenmenschen der Glaube an Gott immer Hoffnung und Zuversicht bedeutet. Gott will Gutes und nicht Böses, für unsere Welt und für uns selbst. Sind es nicht so entsetzlich oft die Menschen, die unsere Welt zu einem dunklen Ort machen? Dass das einmal grundsätzlich anders wird, darum bitte ich: O mein Gott!
Pfarrer i.R. Christoph Grün, Versmold