Im kommenden Jahr 2026 steht uns ein „Superwahljahr“ mit 8 Landtags-, oder Kommunalwahlen bevor. Und wieder werden sich Kandidaten als Volksvertretung bewerben mit Programmen, mit denen sie Antworten anbieten auf wichtige gesellschaftliche und wirtschaftliche Fragen: Ein gemischtes Spektrum aus Visionen, pragmatischen Vorschlägen, aber auch Infragestellungen der politischen Gegner. Die führenden Köpfe schüren Erwartungen und Hoffnungen bei Wählern, gerade in Krisenzeiten, dass sie eine glaubwürdige und stabile Wende herbeiführen können. Gelingt das nicht, gehen die gemachten Versprechen nicht auf oder werden verwässert in Bündnissen mit anderen politischen Kräften, ist meist Ernüchterung in der Bevölkerung das Ergebnis.
Morgen, am 1. Advent, erinnern Christen sich an eine Geschichte, in der sich ein Kandidat als Hoffnungsträger für ein Volk anbietet. Das Volk Israel lebt fernab von politischer, kultureller und religiöser Freiheit, unterdrückt durch eine Weltmacht, die mit brutaler Gewalt und Ausbeutung regiert. Doch das Volk wird von der Hoffnung getragen, dass Gott eines Tages seinen König schicken wird, der mit Freiheit und Gerechtigkeit kommt. Und, auch das haben sie gehört, er kommt auf einem Esel geritten. Nun scheint der Moment gekommen zu sein. Jesus von Nazareth mit seinen Jüngern und Anhängern im Gefolge zieht in die Stadt. Der Jubel, die Hoffnung und die Euphorie sind groß. Die Menschen begrüßen Jesus wie einen König. Kleidungsstücke und Zweige legen sie auf den Weg wie einen Teppich, der einem König Gottes würdig ist.
Am 1. Advent, mit dem die Zeit beginnt, in der wir der Geburt Jesu entgegensehen, zeigt uns diese Geschichte, dass mit Jesus ein König in die Welt gekommen ist, der ein einzigartiges Regierungsprogramm von seinem himmlischen Vater mitbringt. Er möchte dieser Welt, in der die Menschen es allein nicht schaffen, in Frieden und Gerechtigkeit zusammenzuleben, ein Angebot der Liebe machen, mit der Gott uns als Weltgemeinschaft zusammenführen möchte. Weihnachten feiern wir das Fest, in dem Gott seine Liebe Mensch werden lässt in seinem Sohn Jesus Christus.
Die friedlose Welt ist trotz jahrzehntelanger Bemühungen um internationale Verständigung und gegenseitigem Gewaltverzicht in ihrem Zusammenspiel von Machtgier und Gewalt durch meist autoritäre Regimes dem Frieden Gottes nicht nahegekommen. Weihnachten kann zu einer Superwahl werden, in der wir uns gemeinsam für Jesus und Gottes Liebe entscheiden. Weihnachten zeigt, dass die Hoffnung auf Frieden nie verloren geht.
Rüdiger Schwulst ist Pfarrer in Versmold