Meine Lieblingsmenschen! Und die die anderen?
„Eine schöne Zeit mit den Lieblingsmenschen.“ Die Kinder und Jugendlichen im CVJM hatten den Weihnachtsbaum im Foyer des Gemeindehauses geschmückt. Unter anderem verzierten Weihnachtskugeln den Baum, auf denen Wünsche standen. „Eine schöne Zeit mit den Lieblingsmenschen“ stand auf einer Kugel. Dieser Wunsch zu Weihnachten und für das neue Jahr spricht uns aus dem Herzen. Ja, da geht uns doch das Herz auf, wenn wir an unsere Lieblingsmenschen denken: an die Menschen, die uns guttun, mit denen wir gerne zusammen sind.
Direkt daneben hängt eine Kugel mit der Aufschrift: „Verteilt Liebe … an die Familie, Freunde, den Nachbarn, die Kollegen, die Kassierer, den Fremden, an ALLE!!!“ Ich komme ins Nachdenken. Es ist richtig: freundlich, liebevoll, aufmerksam gegenüber meinen Lieblingsmenschen zu sein, ist für die meisten von uns selbstverständlich und gar nicht schwer. Aber wenn ich im vollen Supermarkt nach ewigem Warten in der Schlange endlich an der Reihe bin, kommt mir vielleicht nicht als erstes ein Lächeln für die Kassiererin in den Sinn. Oder doch – warum eigentlich nicht? Sie erledigt ihre Arbeit gut und schnell. Wenn die Kunden und Kundinnen freundlich zu ihr sind, fühlt sie sich mit Sicherheit besser – und ich mich auch!
Dann wird auf der Kugel auch noch der Fremde genannt. Da wird es schon schwieriger. Oder die Person, die ich nicht mag; die mich letztens noch so blöd angemacht hat. Wer immer die Weihnachtskugel am Baum beschriftet hat – er oder sie hat recht: Mit Menschen, die ich kenne und mag, liebevoll umzugehen, ist keine Kunst. Respektvoll, aufmerksam, liebevoll mit denen umzugehen, die niemand mag oder die zu einer Minderheit gehören oder die mir das Leben manches Mal schwermachen, das trifft den Sinn des hinter uns liegenden Weihnachtsfestes.
Vielleicht ist dieser Umgang ein guter Vorsatz für das neue Jahr, oder wie Margot Friedländer es so treffend ausgedrückt hat: „Seid Menschen.“
Susanne Absolon ist Pfarrerin in Versmold