Andacht September 2026

Andacht September 2026

Das größte Freilichtmuseum Deutschlands für Alltagskultur in Detmold hat einen neuen Namen bekommen: Hellerlecht. Das ist eine plattdeutsche Bezeichnung und bedeutet helleres Licht. Nicht alle werden auf Anhieb diesen Namen verstehen und sich inspirieren lassen. Für mich war es ein Anstoß mit etwas hellerem Licht in die Bereiche meines Lebens zu schauen, die sonst etwas mehr im Dunklen und unbeachtet bleiben. Dein Wort ist meines Fußes, Leuchte und ein Licht auf meinem Weg heißt es in der Bibel und dann sollte man es auch so gebrauchen. Es bringt mir die Erinnerung an einen plattdeutschen Ausspruch, den ich schon als Kind oft gehört habe. Er lautet: over de Nuck de blieft! Auf Hochdeutsch: aber der Groll des nicht Vergessens bleibt. Wie oft und wie selbstverständlich beten wir das Vaterunser und darin enthalten, wie wir vergeben, unseren Schuldigern. Im Urtext heißt es sogar, wie wir vergraben, unseren Schuldigern, und diese Aussage kommt sofort nach der Bitte um Vergebung unserer Schuld. Darum ist das helle Licht so wichtig und richtig, denn ich denke an die Menschen und die Situationen, wo es genau zutrifft, over de Nuck de blieft. Vergeben heißt vergessen, sich nicht mehr dran reiben und nicht schlecht über Menschen und Situationen sprechen. Auch wenn ich manche Gegebenheiten nicht aussöhnen kann, Menschen sich nicht ändern, ist es gut, wenn ich es gut sein lassen kann. Es ist Gottes Sache, und er hat für mich alles gut gemacht durch Jesus Christus. Wie viel Frieden und Versöhnung wachsen aus dem Frieden mit Gott und wie viel kann heil werden unter Menschen? Auch wenn der oder die anderen es nicht annehmen, kann ich es abgeben, vergeben und vergessen. Heller Lecht in de Düsternis das brauche ich gerade da, wo noch der Nuck ist. Herr zeige mir diese Stellen, diese Menschen, denn du bist das Licht, dass ich brauche!

 

Prädikant Arnold Wessling