„Christi Himmelfahrt“ ist ein beliebtes Datum, denn es beschert uns allen in der schönsten Jahreszeit einen arbeitsfreien Tag und manchem darüber hinaus ein langes Wochenende. Gleichwohl erscheint sein Inhalt den meisten – christlichen wie nicht (mehr) christlichen – Zeitgenossen als mysteriös bis absurd. Dabei will das Himmelfahrtsfest überhaupt nicht zu frommer Erinnerung an eine spektakuläre Schussfahrt Jesu ins Blaue animieren, allerdings auch nicht zu bierseligen Ausflügen ins Grüne.
Stattdessen macht es eine hochpolitische Ansage in die jeweilige Gegenwart hinein: „Jesus Christus herrscht als König“ (so ein einschlägiger Choral). Oder biblisch formuliert: „Gott hat die Herrschaften und Mächte entwaffnet, um sie in aller Öffentlichkeit bloßzustellen; durch Christus ist er über sie Sieger geblieben“. (Kolosser 2,15)
Erst war der Nazarener den Handlangern des Todes wehrlos ausgeliefert, so dass sie ihn zur Hölle fahren lassen konnten; dann aber ist er wider alles Erwarten gegen sie aufgestanden und in Gottes Unmittelbarkeit („Himmel“) erhoben worden. Seither gilt er als Inbegriff der Hoffnung für alle, die mit oder ohne eigene Schuld auf die Verliererstraße geraten sind. Umgekehrt entzaubert er die Machthaber dieser Welt, wo immer sie sich in Allmachtsphantasien und Ewigkeitsansprüchen („Tausendjähriges Reich“ u.ä.) ergehen. Solcher Selbstvergötzung erliegen ja leider nicht nur machtgierige Despoten und Einheitsparteivorsitzende, sondern neuerdings bisweilen sogar demokratisch gewählte Regierungschefs, von militanten Theokraten und anderen Warlords ganz zu schweigen.
Um vor solchen Kreaturen nicht in die Knie zu gehen, braucht es die immer neue Einschärfung des 1. Gebots: „Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“ Nur seine gewissenhafte Beachtung verhilft zu klarer Unterscheidung zwischen Gott und Abgott, Ewigem und Endlichem, Letztem und Vorletztem.
„Die Herren der Welt kommen und gehen. Unser Herr kommt.“ So soll Gustav Heinemann 1950 gesagt haben. Als dritter Bundespräsident war er dann später auch ein „Herr“, aber einer, der als Christ wusste, dass er an der Vorläufigkeit alles Gewordenen voll und ganz Anteil hat, und sich deshalb keinen Illusionen über seine bescheidene Rolle in der Weltgeschichte hingab.
Wer „Christi Himmelfahrt“ feiert, übt sich darin, die (heiligen und scheinheiligen) Geister zu scheiden, die selbstgefälligen Laut-Sprecher dieser Welt mit einer gewissen Gelassenheit als Gernegroß zu belächeln und vor allem Gottes Option für die „Loser“, die Zu-kurz-Gekommenen und als hoffnungslose Fälle Geltenden, hochzuhalten – gegen jene „Winner“, die wähnen, sich schon hier auf Erden dauerhaft einen Platz an der Sonne gesichert zu haben.
Hartmut Splitter, Pfr. i.R.