Andacht zum 22. Februar 2026

Es war vor sehr langer Zeit, gegen Ende der siebziger Jahre. Damals hat sich einer meiner Mitstudenten sterilisieren lassen, und als Begründung sagte er jedem, der es hören wollte: „In DIESE Welt setze ich keine Kinder!“ Vom Wettrüsten des Kalten Krieges bis hin zu den unabsehbaren Gefahren der Kernenergie und ihrer Atomkraftwerke gab es für junge Leute wie ihn vieles, was besorgt und ängstlich machte und den Blick auf die Zukunft verdunkelte.

Glücklicherweise dachten damals nicht alle so, sonst hätten wir wohl heute ein unendlich größeres demographisches Problem. Aber die Angst vor dem, was kommt, ist heute stärker denn je. Wie wird es weitergehen? Was wird die Zukunft bringen? Licht oder Finsternis? Frieden oder Krieg? Erhaltung der Schöpfung oder globale Klimakatastrophe? Meinungsfreiheit oder Gesinnungsdiktatur? Wirtschaftswachstum oder Insolvenz? Demokratie oder Scharia? Viele Mitmenschen können sich unsere Welt heute nur noch als Abgrund vorstellen und das Hineinfallen als realistische Perspektive. Und das Problem ist ja nicht nur diese Angst, sondern die daraus entstehenden Konflikte und ein damit zusammenhängender Abbruch von Diskurs und Diskussion. Statt miteinander um die richtigen Wege zu ringen, schreit man sich nur noch an, verortet sich gegenseitig in linke oder rechte Ecken und vergisst völlig, dass nur die gemeinsame Anstrengung aller Anstrengungswilligen uns einen Weg nach vorne aufzeigen kann.

„In der Welt habt ihr Angst - aber seid getrost: Ich habe die Welt überwunden!“ (Johannes 16,33) Diesen Satz von Jesus habe ich immer als ungeheuer befreiend empfunden. Ja, die Angst ist da, zu allen Zeiten und heute ganz besonders. Aber derjenige, den Christenmenschen den Schöpfer nennen, ist ja auch der Erhalter und der Erlöser unserer Welt und ihrer Geschöpfe. Sein Sieg über den Tod schickt uns frei und mutig ins Leben! Mehr braucht es eigentlich nicht, um die ersten Schritte nach vorne zu machen - nicht ohne Angst, aber voller Vertrauen in SEINE Zukunft.

 

Christoph Grün, Pfr. i.R., Versmold