Andacht vom 27. Januar 2019

Wort zum letzten Sonntag nach Epiphanias, 27. Januar 2019

Die Weihnachtsbeleuchtung ist verschwunden, die Tannenbäume sind abgeholt.
Der 1. Advent liegt lange zurück, doch erst mit dem letzten Sonntag nach Epiphanias endet in den Kirchen der Weihnachtsfestkreis. Dieser Sonntag steht noch einmal ganz im Zeichen der Botschaft von dem großen Licht, das mit Jesus in die Welt gekommen ist.

Gedanklich hat für viele Menschen schon mit dem Jahreswechsel eine neue Zeit begonnen. Die Erinnerung an die Feiertage ist nur noch lauwarm. Die Stunden der Besinnung verschwinden im Alltag. Ideen und Vorsätze geraten in Vergessenheit.

Hat sich durch Weihnachten und den Jahreswechsel etwas verändert?
In der ersten Schulwoche gehe ich wieder in die Internationale Förderklasse, in der überwiegend Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan unterrichtet werden. Vor mir sitzen 15 Schülerinnen und Schüler aus acht verschiedenen Ländern mit ebenso vielen Glaubensrichtungen. Vergangenheit und Bildung der 16- bis 20-Jährigen sind höchst unterschiedlich. Allen gemeinsam sind die minimalen Deutschkenntnisse.

Auf den ersten Blick ist alles wie bisher. Und doch gibt es Veränderungen. Die Schülerinnen und Schüler haben teilweise erstmalig die Feiertage in Deutschland verbracht. So komme ich mit ihnen ins Gespräch, über das Kirchen- und Kalenderjahr, über die Feiertage und Jahreszeiten. Sie lernen von mir und ich von ihnen. Verständigung und Akzeptanz gegenüber den Kulturen gewinnen an Raum.

Das sind tolle Momente. Für diesen Augenblick erscheint das Leben wie von Licht bestrahlt. Da gibt es keinen Zweifel am Sinn des eigenen Tuns. Am liebsten würden wir solche Situationen gar nicht mehr los lassen. Doch der Lebensalltag birgt auch dunkle Seiten mit Leid und Frust. Da ist es Hoffnung und Trost, wenn uns der Wochenspruch des Propheten Jesaja durch die nächsten Tage begleitet: „Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir."

von Peter Blume, Pfarrer i.R., Religionsunterricht am Berufskolleg-Halle