Das Projekt „Klimahelden im Alltag“ des Ev. Kirchenkreises Halle war schon im Klimahaus in Bremerhaven und im Naturmuseum in Dortmund, doch der Besuch der Klimaerlebniswelt in Oerlinghausen hielt nun eine Besonderheit bereit. Die Teilnehmenden staunten nicht schlecht, als nicht nur Günter Weigel, Geschäftsführer der Lippe Tourismus & Marketing GmbH, sie zur Führung abholte, sondern auch ein anderes bekanntes Gesicht.
Ewald Lienen, Ex-Fußballprofi und Klimabotschafter des Kreises Lippe, geleitete die Gruppe persönlich durch die Ausstellung. „Das ist eine wunderbare Überraschung für uns“, sagt Pfarrerin Beatrix Eulenstein vom Organisationsteam, „denn erst durch Ewald Lienen haben wir seinerzeit von der Klimaerlebniswelt erfahren“. Ewald Lienen, der gebürtig aus Liemke, heute: Schloss Holte) stammt, war bereits bei den Klimahelden zu Gast und hielt in der Brockhagener Kirche einen Vortrag zu „Deutschland muss Klimaweltmeister werden“. Der frühere Profi-Fußballer und Trainer erzählte dabei auch von seinem Engagement bei der entstehenden Erlebniswelt und säte damit die Idee zu einem Besuch dort.
Die Klimaerlebniswelt ist Teil des „Urland“, einem gemeinsamen Bildungs- und Erlebnisprojekt im Kreis Lippe, das Naturkunde, Klimabildung und Archäologie miteinander verknüpft. Es verbindet drei besondere Orte: das Archäologische Freilichtmuseum und das Naturschutzgroßprojekt Senne und Teutoburger Wald sowie die Klimaerlebniswelt in Oerlinghausen. Gemeinsam erzählen sie in dieser einzigartigen Kombination eine Geschichte vom „Gestern, Heute und Morgen“ des Klimawandels und der Klimaanpassung.
Groß und klein können hier die Klimaentwicklung, die Klimafolgen und Maßnahmen zur Klimaanpassung hautnah erleben. „Man kann hier das Klima nicht nur auf kognitive Art, sondern mit allen Sinnen fühlen“, kündigte Ewald Lienen bei der Begrüßung an. „Wenn du hier durch gegangen bist, dann hast du ein echtes Erlebnis gehabt, das ist was anderes, als ob man im Sessel sitzt und eine Doku anschaut und man einfach in den Alltag zurück geht“.
Die Ausstellung ist die einzige Einrichtung in Deutschland zum Schwerpunkt Klimafolgenanpassung. Schon von Außen führt sie in die Thematik ein: Die Holzbauweise der Ausstellungsräume mit begrünten Dächern und einer Photovoltaikanlage greift das Thema Ressourcenschonung auf, das Holz der Fassade wurde durch Beflammen vor Wettereinflüssen geschützt, gedämmt wurde mit Zellulose aus Altpapier. „Und die Toilettentrennwände bestehen aus recycelten Frühstücksbrettern“, ergänzt Lienen. Durch die wabenförmige Gebäudestruktur besteht auch gestalterisch ein Bezug zur Natur.
Beim Betreten der Klimaerlebniswelt tauchte die Gruppe aus dem Kirchenkreis Halle dann in eine Welt ein, welche die Zusammenhänge unseres Klimasystems veranschaulicht. Eine Vielzahl interaktiver Displays, Simulationen und Experimente zeigen unterschiedlichste Szenarien.
Anhand digitaler Projektionen wird die Klimageschichte von der letzten Eiszeit bis in die Gegenwart dargestellt. Hitze, Kälte, Dürre oder Überflutungen werden simuliert – Wetterphänomene, die bei Fortschreiten des Klimawandels immer häufiger stattfinden werden. Die Räume sind mit Multivisionswänden ausgestattet, die faszinierende Bilder und auch spürbare Erlebnisse liefern.
Durch interaktive Medien wird das Thema Klimawandel abgebildet, ohne den Zeigefinger zu erheben. Nicht die Wissensvermittlung steht im Vordergrund, sondern die Besucher sind selbst Teil des Geschehens, indem sie durch Simulationen verschiedene Szenarien durchspielen und Lösungen entwerfen können. „Hier ist das Motto „Erleben statt Belehren“ – und das ist genau, was wir auch mit unserem Klimahelden-Projekt wollen – ohne erhobenen Zeigefinger Lösungswege aufzeigen und den Blick öffnen für die Schönheit der Schöpfung. Denn nur was wir lieben, das sind wir auch bereit zu schützen“, sagt Pfarrerin Eulenstein.
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