Bereits zum 6. Mal haben sich Friedemann Engelbert und Markus Stein von der Evangelischen und Katholischen Kirche in Halle/Westfalen zusammengetan, um dieses ökumenische Projekt durchzuführen. Dabei findet an jedem Sonntag in den Sommerferien ein attraktives, kostenfreies Konzert abwechselnd in einem der beiden Kirchen statt.
„Heute gibt es quasi gleich zwei Jubiläen zu feiern“, freute sich Markus Stein beim Auftaktkonzert in der Herz-Jesu-Kirche. „10 Jahre ist es her, dass Christoph Hintermüller zum ersten Mal in Halle war und die Jäger & Brommer-Orgel wird 20 Jahre alt.“ Er kündigte ein besonders unterhaltsames Konzert an und damit hatte er nicht übertrieben. Es war einfach unglaublich, welche Töne der sympathische 31-Jährige Konzertorganist aus dem Instrument hervorzauberte. Das mit „Organ Spectacular“ betitelte Programm bot eine enorme Bandbreite. „Vielleicht gefällt ihnen der Choral so gut, dass sie ihren Organisten überreden, dass er ihn einmal spielt“, schlug Hintermüller dem zahlreich erschienenen Publikum vor - und der Choral des Britischen Komponisten Graham Twist (geb. 1958) gefiel. Davon zeugte der langanhaltende Applaus.
Samuel Barbers 1938 komponiertes „Adagio for Strings“, ein bewegendes Lied, das besonders dadurch populär wurde, weil es aus vielen Radiostationen nach den Anschlägen des 11. September in Europa erklang sowie am 1. Jahrestag, als die Namen der Verstorbenen verlesen wurden, beherrschte Hintermüller genauso wie das von ihm arrangierte „Herr der Ringe“ Thema. Weitere Kompositionen, die der Konzertorganist stets mit interessanten Informationen anmoderierte, folgten.
Hintermüller, der nach seiner Ausbildung in Deutschland und dem Studium in den USA als Organist und Kirchenmusiker international tätig ist, beendete sein Konzert mit den Worten: „Ich hoffe, dass sie die Orgel in anderen Klangfarben wahrnehmen konnten, als man sie sonst aus Gottesdiensten kennt.“ Das konnte man wahrlich und nach stehenden Ovationen und einer Zugabe entließ das begeisterte Publikum den Künstler.
„Wir dachten, es ist mal wieder Zeit für einen Liederabend – seit 2021 gab es keinen“, moderierte Franz Ziesché, Mitorganisator des Musiksommers, ein weiteres Konzert des Projektes an. Mit dem Thema „Schatten und Träume“ befassten sich die ukrainische Pianistin Kataryna Syrota und Sängerin Laura Kriese. Sie ist in Halle keine Unbekannte, sang sie doch viele Jahre im Bachchor der Johanniskantorei.
Ludwig Uhlands Ballade „Des Sängers Fluch“ aus dem Jahr 1814 diente als Ersatz für eine Moderation und zog sich wie ein roter Faden durch das Repertoire. Die vorgetragenen Lieder von Robert Schumann, Richard Strauss, Johannes Brahms, Vaughan Williams oder Franz Schubert standen in Bezug zu den jeweils von der 31-jährigen Sängerin vorgelesenen Absätzen. Dabei wurde das Publikum in der Herz-Jesu-Kirche mitgenommen in eine Geschichte aus Mord, Intrigen, Leid, Freude, Flüchen und Größenwahn. Das war wahrlich keine „leichte Kost“, die nur in kurzen Sequenzen einen Hauch von Unbekümmertheit spüren ließ. Das Publikum wurde vielmehr (musikalischer) Zeuge eines in einer Seelenfinsternis steckenden grausamen Königs, der getrieben von seiner Abneigung zur Musik einen jungen Sänger, der ihn gemeinsam mit einem älteren Spielmann mit seinen Liedern erfreuen wollte, ersticht. Der Greis belegt daraufhin das Schloss, das verfällt, und den König, den man nicht mehr kennen wird, mit einem Fluch.
Eindrucksvoll und stimmlich hervorragend trug Laura Kriese die Lieder vor, mal gefühlvoll („Es waren zwei Königskinder“ und „Meine Rose“), mal dramatisch („Belsazar“) – perfekt ergänzt vom Spiel der Pianistin. Ein ganz besonderer Genuss, ein Ohrenschmaus, den das Publikum mit langanhaltendem Applaus quittierte und sich über eine Zugabe freuen konnte. -dag-