Die gute Nachricht vorweg: Es wird auch im kommenden Jahr wieder einen Haller Musiksommer geben. Die Planungen für das ökumenische Projekt, das jede Woche sonntags in den Sommerferien einen Gratis-Hörgenuss bietet, laufen bereits, verkündete Friedemann Engelbert, einer der Leiter des Projekts, vor dem Abschlusskonzert. Man sei mit dem guten Besuch während der acht Konzerte, die abwechselnd in der katholischen und der evangelischen Kirche stattfanden, sehr zufrieden.
Beendet wurde die Konzertreihe zum einen vom Quintett „emBRASSment“, einem Blechbläserquintett aus Leipzig. Vor 25 Jahren schloss sich das Ensemble zusammen. Für ihren Auftritt in der Lindenstadt hatten sie ein Jubiläumsprogramm zusammengestellt, das „uns Spaß macht“, kündigte Posaunist Lars Proxa mit einem Augenzwinkern ein musikalisches Märchenfeuerwerk aus aller Welt an – und das zündete beim Publikum in der St. Johanniskirche. Egal, ob Ausschnitte von Edvard Griegs romantischer Oper „Peer Gynt“, Nicolai Rimsky-Korsakows orientalischer „Scheherazade“ oder starke, argentinische Rhythmik aus der Amerikanischen Suite Nr. 1 von Enrique Crespo – die sympathischen Blechbläser hatten das Publikum sofort auf ihrer Seite. Von der Vielfalt auf hohem Niveau fühlten sie sich wortwörtlich umarmt – lautet doch die Übersetzung von Embrassment „Umarmung“. Neben ihrem Können an Posaune, Trompete, Tuba und Horn bewiesen sie auch ihr Talent an Percussion-Instrumenten. Bei „El Cumbanchero“ kamen Trommeln, Rasseln und Schütteleier zum Einsatz – langanhaltender Applaus war ihnen auch dafür sicher. Nach einer Zugabe standen sie noch für Gespräche zur Verfügung.
Das Abschlusskonzert unter dem Titel „Armonia celeste“ (Himmlisches Gleichgewicht) bestritten Frank Oberschelp mit seinen unterschiedlichen Blockflöten (Barock, Alt, Tenor, Renaissance), Riccardo Delfino an der Barockharfe und Hermann Hickethier mit der Viola da gamba. Die anmutige und erhabene Musik schlug einen Bogen vom Früh- zum Hochbarock und berührte die Zuhörer in der gut besuchten St. Johanniskirche. „Wundern Sie sich nicht, wenn Sie keinen Komponisten kennen, sie sind eher unbekannt“, erläuterte Oberschelp gleich zu Beginn des Konzertes. Da gab es schwungvolle Tänze von Diego Ortiz und Madrigale von Giovanni Pierluigi da Palestrina aus der Zeit der Renaissance zu hören, dann Sonaten und Suiten des Frühbarocks, meist aus Italien. Mit Johannes Schopp kam auch ein deutscher Komponist zu Gehör. „Sie finden im Gesangbuch einige Lieder von ihm“, informierte Oberschelp das Publikum.
Mit der „Toccata arpeggiata“ vom deutsch-italienischen Lautenisten Giovanni Girolamo Kapsberger zeigte Riccardo Delfino mit einem Solo sein außerordentliches Können an der Barockharfe. Informationen inbegriffen. „Bis zum Frühbarock waren die Harfen kleiner. Danach gab es eine dreifache Anordnung der Saiten. Die jeweils äußeren entsprechen den weißen Tasten eines Klaviers, die mittleren den schwarzen.“ Mit dem Ground aus einer Bühnenmusik zu „The Mad Lover“ von John Eccles wollten sich die drei Musiker verabschieden – das ließ das begeisterte Publikum nicht so einfach zu. Für den vehementen Applaus und die stehenden Ovationen bekam es die erhoffte Zugabe. Mit einer schottischen Volksweise endete das Konzert – und damit auch der 6. Haller Musiksommer. -dag-