Traurig gucken die Kinder der Kita Pusteblume auf das Flatterband. Der Reifenturm ist schon abgesperrt, auch an anderen Spielgeräten signalisiert das weiß-rote Band: hier darf nicht mehr gespielt werden. Denn der Spielplatzprüfer war in der Einrichtung in Borgholzhausen zu Gast und hat einige Geräte bereits gesperrt, die nun nicht mehr genutzt werden können. Weitere Geräte wurden schon bemängelt. weil zum Beispiel Abstände zwischen horizontalen Stangen den heutigen Vorgaben nicht mehr entsprechen, Sprossen abgenutzt sind oder Bretter marode werden.
Diese Mängel sind der Zeit geschuldet – allein die Sandkästen der Evangelischen Kita sind über 50 Jahre alt und stammen noch aus dem Jahr 1974. Sie erinnern an eine Zeit, in der Spielen noch ganz anders aussah. Heute aber wissen wir: Kinder lernen beim Spielen nicht nur motorische Fähigkeiten, sondern auch Kreativität, Selbstvertrauen und soziales Miteinander. „Unser pädagogisches Konzept hat sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend verändert – und unser Außengelände soll dem endlich gerecht werden“, sagt Kita-Leiterin Ulrike Schimmel. Um den Spielplatz in einen Ort der Bewegung, Begegnung und Bildung zu verwandeln, wird ein neues, kindgerechtes Spielplatzkonzept entwickelt mit naturnahen Flächen. Spielplatzplaner Marius Blankert setzt dabei auf inklusive und multifunktionale Spielgeräte.
„Dabei ist nicht vorgegeben, wofür sie gut sind, und die Kinder können sich frei im Spiel entfalten. Ein Spielschiff ist nur ein Schiff, aber zum Beispiel das Mikado kann ein Schiff sein oder auch eine Burg“, sagt Blankert. Das Wildholz-Mikado haben sich die 80 Kinder der Kita selbst gewünscht. Im Kinderparlament wurde darüber entschieden, was im neuen Außengelände dabei sein soll – das Mikado und ein Spielhaus standen ganz oben auf der Wunschliste. Durch diese Geräte, die alle Themen zu- und offen lassen wird die Fantasie der Kinder angeregt.
„Und diese Geräte bieten Herausforderungen für die Kinder, z.B. wird bei einer Treppe die untere Stufe mit höherem Abstand gebaut, so dass sich jedes Kind nach und nach das Spielgerät erschließen kann in seinem eigenen Tempo“, sagt der Geschäftsführer des Kitaverbandes im Ev. Kirchenkreis Halle, Sven Borgsen.
Neuer Schwung für kleine Entdecker
Ein Außengelände prägt den Kita Alltag – im besten Fall stärkt es die Kinder in ihren Wurzeln und hilft ihnen zugleich Flügel zu entwickeln, sich zu entfalten und auszuprobieren. Natürlich hat so ein pädagogisch untermauertes Konzept auch seinen Preis, der leider nicht durch die Finanzierung aus dem Kinderbildungsgesetz (KiBiz) gedeckt werden kann. 100.000 Euro stellt der Verband für Tageseinrichtungen im Ev. Kirchenkreis Halle deshalb als Träger bereits selbst zur Verfügung, weitere 20.000 Euro braucht die Kita noch, um wirklich alle Wünsche umzusetzen. „Deswegen hoffen wir jetzt auf Menschen aus Borgholzhausen und der Umgebung, die sich ein Herz nehmen und uns unterstützen“, sagt Ulrike Schimmel. Auch die Kita selbst will ihren Beitrag leisten, im kommenden Jahr ist ein Sponsorenlauf geplant und bei den Demontagearbeiten sollen auch die Eltern mit eingebunden werden, um die Kosten gering zu halten.
Rund anderthalb Jahre wird die Umsetzung des Projektes mindestens dauern, denn das Außengelände soll in Teilen währenddessen weiterhin nutzbar sein. „Die Kinder warten schon gespannt, wann es losgeht“, berichtet Ulrike Schimmel, die sich mit ihrem Team ebenfalls sehr über die Umgestaltung freut.
Wie viel insgesamt umgestaltet werden kann, liegt an der Unterstützung aus der Bevölkerung. Jeder Beitrag, ob groß oder klein, hilft, diesen wichtigen Schritt zu gehen. Spenden können direkt auf das Konto des Kirchenkreises Halle DE 88350601902008205038 mit dem Verwendungszweck 222406 „Spielplatz Kita Pusteblume“ überwiesen werden.
Oder ganz einfach über das Spendenportal.