Inzwischen ist es schon Tradition, dass einmal jährlich alle Haller Bürgerinnen und Bürger eingeladen sind, in der ev. St. Johanniskirche den Opfern des Nationalsozialismus zu gedenken. Zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus setzen sich die Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Halle und des Kreisgymnasiums Halle mit diesem düsteren Kapitel unserer Geschichte auseinander. „Es ist nicht nur eine gute Tradition, sondern auch ein bedeutsames Zeichen“, sagte Pfarrer Tim Henselmeyer zur Begrüßung. Er erinnerte an die Worte des Holocaust-Überlebenden Elie Wiesel: „Darüber zu sprechen, ist unmöglich, darüber zu schweigen, verboten“.
Der Bezug zur Geschichte der Stadt Halle wurde danach insbesondere durch das Verlesen der Namen der Opfer deutlich, die aus Halle stammten. So wird an die Opfer jüdischen Glaubens, an Zwangsarbeiter und deren Kindern und an politisch Verfolgte erinnert, die hier vor Ort durch die Verbrechen der Nationalsozialisten ihr Leben verloren. Und vor allem wird ihnen ihre Menschlichkeit zurückgegeben, die die Nationalsozialisten vernichten wollten, indem sie aus Menschen mit Namen Nummern machten.
„Es geht darum, die Verantwortung zu übernehmen und menschlich zu sein“, fassten die mitwirkenden Schülerinnen und Schüler den heutigen Auftrag zusammen. „Wir müssen unsere Zukunft vor dem schützen, was der Welt schadet, den Menschen schadet, jedem einzelnen schadet“.
Musikalische Beiträge rundeten das Programm in der Kirche ab, bevor Tim Henselmeyer in seiner Ansprache noch einmal auf die Bedeutung des Gedenktages hinwies. In Deutschland wüsste sicherlich nicht jeder um ihn, aber in Israel heulen jedes Jahr am Gedenktag um 10 Uhr die Sirenen und alle lassen alles stehen und liegen, verharren für zwei Minuten in stillem Gedenken. „Für einen Moment steht die Welt still“, sagte der Theologe. Im Erinnern an dieses unfassbare Leid sei auch eine klare Botschaft enthalten: „So etwas darf nie wieder passieren“.
Schweigend machten sich die Schülerinnen und Schüler danach gemeinsam mit weiteren Besuchern auf den Weg und stellten gemeinsam mit Bürgermeister Thomas Tappe Blumen, Kerzen und Steine neben einen Kerzenleuchter zur gemeinsamen Schweigeminute auf dem Kirchplatz.