Seit 1927 findet der Weltgebetstag der Frauen in mehr als 120 Ländern gleichzeitig statt. Über Konfessions- und Ländergrenzen hinweg macht sich diese größte, weltweite ökumenische Basisbewegung christlicher Frauen stark für die Rechte von Frauen und Mädchen in Kirche und Gesellschaft. Auch im Kirchenkreis Halle gestalteten Frauen unterschiedlicher Konfessionen die ökumenischen Gottesdienste. Im Johannes-Busch-Haus der evangelischen Kirchengemeinde Steinhagen hatte sich neben den weiblichen Gästen auch ein Herr eingefunden. Immer wieder wird im Vorfeld darauf hingewiesen, dass die Veranstaltung nicht ausschließlich für Frauen gedacht ist und Männer gern gesehene Gäste sind.
Vor dem Altar waren landestypische Früchte dekoriert mit Karten, auf denen mutmachende Aussagen der unterdrückten nigerianischen Frauen standen. Pfarrerin Petra Isringhausen informierte über das Land, das mit seinen 230 Millionen Menschen und dem Besitz von Bodenschätzen wie Gas, Öl und Gold ein Land der Gegensätze ist. Hier herrschen nicht nur Korruption in allen Bereichen des öffentlichen Lebens, Kriminalität, Terror und schwierige Rechtsprechungen durch unterschiedliche Rechtssysteme in 36 Bundesländern, ein großes Thema ist auch die Umweltverschmutzung. 40 % der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze, die Lebenserwartung der Menschen liegt bei nur 50 Jahren. Besonders Frauen und Kinder leiden unter den Lebensbedingungen.
Auf den Predigttext aus dem Matthäusevangelium „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken“ wird in der Gottesdienst-Ordnung nicht ausführlich eingegangen, vielmehr kommen drei Christinnen zu Wort, die sich durch diese Aussage getragen wissen – Frauen aus der Gemeinde gaben ihnen ihre Stimme. Beatrice wurde mit 28 Jahren Witwe und musste mit drei kleinen Kindern in Armut leben. Sie fand Kraft im Glauben. Durch ein Hilfsprojekt in ihrer Kirchengemeinde machte sie die Erfahrung, dass sie mit ihren Problemen nicht allen war. Jato, eine christliche Mutter mit einer 14-jährigen Tochter, sieht in ihrem Umfeld, wie schwer es ist, im Schatten religiöser Verfolgung zu leben. Sie geht der Frage nach, wie es möglich ist, seine Feinde zu lieben, so wie Jesus es gelehrt hat. Sie weiß von Gottes Gnade und dass Jesus durch alle schweren Zeiten mit ihr geht. Sie trifft täglich eine neue Entscheidung für die Liebe und findet Ruhe in Gott. Blessing, die ihr ganzes Leben in Nigeria verbracht hat und wie viele andere auf Fortschritt und ein besseres Leben gehofft hatte, sieht sich angesichts der Armut im Land enttäuscht. Aber selbst in ihren Nöten sieht sie Beweise für Gottes Treue. Sie nennt als Beispiel eine Nachbarin, die nach dem Verlust von Ehemann und Job nicht resigniert hat, sondern ein kleines Unternehmen gründete, das ihr und ihren Kindern das Überleben ermöglichte.
Christina Becker, Magdalena Dilthey, Wilma Hempelmann, Ursula Hesselmann, Uschi Kreutz, Helena Reinert und Brigitte Westmeyer übernahmen die Passagen aus der Weltgebetstags-Ordnung, Pianistin Julia Schöppinger unterstützte bei den Liedern. Im Anschluss an den Gottesdienst konnten die Gäste bei einem Eintopf aus Süßkartoffeln und Bohnen ins Gespräch kommen und den Abend ausklingen lassen.
2027 feiert der Weltgebetstag 100-jähriges Jubiläum. Am 5. März lautet dann der Titel des Gottesdienstes „United in Prayer for Justice and Peace!“ und kommt vom Internationalen Weltgebetstagskomitee. -dag-