Die Initialzündung für die Gründung der Initiative, die sich jetzt über ein von der Kirchengemeinde gestelltes Urnenfeld freut, war ein „Gespräch am Kamin“ im Jahr 2022 im Haus Tiefenstraße. Hier berichtet der Bielefelder Sozialpfarrer Matthias Blomeier über Trauerfeiern, die auf dem Sennefriedhof in regelmäßigen Abständen für unbedacht Verstorbene abgehalten, in denen die Namen noch einmal öffentlich genannt werden und es für Menschen, die die Verstorbenen gekannt haben, eine schlichte Trauerfeier gibt. Dorothea Wenzel, Silvia Mehring und Werner Glenewinkel hören die Geschichte und gründen gemeinsam mit Beate Dirkschnieder die „Initiative Unbedacht Verstorbene“ in Werther.
Das Urnenfeld für Menschen, die niemanden haben, die einsam und „unbedacht“ in Werther versterben, liegt „mittendrin“. „Wir haben diese Stelle in der Mitte des alten Friedhofteils ausgesucht, weil die Menschen, die niemanden hatten, ja auch in unserer Mitte gelebt haben“, sagt Presbyterin Sabine Pajewski über diesen Platz, der zudem mit einem großen Baum und einer Bank zum Verweilen einlädt. Bereits in den Jahren 2011 und 2015 hat sich die Wertheranerin Dorothea Wenzel mit privaten Spendenaktionen darum gekümmert, dass zwei Menschen, die „unbedacht verstorben“ waren, ein Grab und eine würdevolle Beisetzung auf dem Friedhof in Werther bekommen haben.
„Bis jetzt haben wir in unseren Namen von den Spenden, die wir bekommen haben, Gräber gekauft, um die Verstorbenen würdevoll zu bestatten“, erzählt Beate Dirkschnieder von der Initiative. „Die Stadt bezahlt die Summe für ein Sozialbegräbnis dazu“, fügt sie an. Diese Sozialbegräbnisse haben bislang nicht in Werther, sondern meist auf einem Friedhof in Hesselteich stattgefunden. Dabei sind unbedacht Verstorbene zwar sehr einsam, aber nicht zwingend mittellos - sie haben es nur versäumt, Verfügungen für ihr Begräbnis zu hinterlassen. „Und wenn es keine bestattungspflichtigen Angehörigen gibt, bleibt nur die Sozialbestattung“ sagt sie bedauernd. Dieses Urnenfeld mit mindestens acht Grabstellen ist eine schöne Geste der Kirchengemeinde“, freut sich die Initiative, die weiterhin auf Spenden für würdige Bestattungen und Trauerfeiern angewiesen ist.
Auf dem Stein, der auf dem Friedhof noch vorrätig war und nun das Urnenfeld schmückt, wurde aktuell noch ein Edelstahl-Schriftzug von Steinmetz Horst Mennecke aus Versmold angebracht. „Jeder Mensch hat einen Namen – jeder Mensch hinterlässt Spuren“ ist dort zu lesen. „Wir sind sehr glücklich über diesen schönen Platz – und den großartigen Stein“, sagt Dorothea Wenzel lächelnd.
In einem kurzen Gespräch erklärt Sabine Pajewski, Presbyterin und Vorsitzende im Friedhofausschuss, das unbedacht verstorbene Menschen, die Mitglied der Kirche sind, schon immer auf Kosten der evangelischen Gemeinde in Werther beigesetzt wurden und weiterhin werden, wenn diese Kenntnis über den Todesfall hat. „Hier setzt sich die Stadt sehr ein“, berichtet sie über die gute Zusammenarbeit.
Wer die Wertheraner Initiative mit einer Spende unterstützen möchte, kann das über die IBAN DE20 4785 3520 0003 5658 50 bei der Kreissparkasse Halle-Wiedenbrück mit dem Verwendungszweck „Unbedacht Verstorbene“ tun. „Wir sind seit neuestem dem Hospizverbund Teutoburger Wald e. V. angeschlossen“, sagt Initiatorin Silvia Mehring, „und damit können wir, wenn gewünscht, Spendenquittungen ausstellen.“
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