„Hoffnung kommt von Bewegung. Bitte stehen Sie alle auf und hüpfen“, wurden die mehr als dreißig Frauen im Gemeindehaus Künsebeck von Pfarrerin Lindtraut Belthle-Drury aufgefordert sich nach Anweisung zu bewegen. Ein ungewöhnlicher Beginn des Jahresthematages der Frauenarbeit im Kirchenkreis Halle – dem aber alle gern nachkamen. „Das war entspannend. Es kribbelt richtig, ich fühle, dass ich lebe. Das sollte man öfter machen!“, waren die positiven Kommentare.
An diesem Nachmittag standen „Hoffnungsgeschichten“ im Fokus. „Damit kann jeder etwas anfangen“, war sich die Referentin von der Evangelischen Frauenhilfe Westfalen aus Soest sicher. Nach den Themen aus den Vorjahren wie Heimat, Inklusion, Sprache und Demokratie traf Lindtraut Belthle-Drury damit auf offene Ohren.
Auf was kann man in der aktuellen Zeit hoffen, wenn Kriege, Naturkatastrophen, Gewalt oder die Klimakrise in der Welt dominieren? Wie kann ich persönlich zuversichtlich sein? Was bedeutet Hoffnung überhaupt und welche Merkmale fallen mir dazu ein? Darüber fand ein reger Austausch an den Tischen statt, denn die Referentin strebte weniger einen zweistündigen Vortrag an, sondern ein Gespräch mit den Anwesenden. Stichworte wie „Hoffnung in der Zukunft gibt Lebensfreude“, „Hoffnung bedeutet Kraft schöpfen, sie ist ein Lichtblick am Horizont“, „Hoffnung braucht man zum (Über) Leben, sie ist das Gegenteil von Depression“ wurden auf einem Flipchart festgehalten.
Lindtraut Belthle-Drury ging auch historischen Spuren nach, denn Hoffnung wurde nicht immer als positiv empfunden. In der Antike galt Hoffnung als unsicher und nicht vernünftig, oftmals wurde man von ihr enttäuscht. Sie glich eher einer Illusion. Man glaubte an die Abhängigkeit von den Göttern und verband Hoffnung mit Furcht. Erst durch das Christentum, in dem Hoffnung gemeinsam mit Glaube und Liebe positiv besetzt war, und Generationen danach, in denen die Menschen selbstbewusster wurden, entstand die Erkenntnis, das Hoffnung selbst machbar sei. „Nicht aufgeben, handeln! Wir haben es selber in der Hand!“
„Wenn es um Hoffnungsgeschichten geht, kommt man der Bibel nicht vorbei. Welche fallen Ihnen da ein?“, fragte die Referentin und die Antworten konnten unter den Oberbegriffen ‚alle Wunder‘ und ‚Auferstehung‘ zusammengefasst werden. Näher beleuchtet wurde der Bibeltext aus Markus 16, 1-8. Bei den ‚Frauen am leeren Grab‘ handelt es sich um den ältesten Bericht der vier Evangelisten und endet anders: nicht hoffnungsfroh wie bei Matthäus, Johannes und Lukas, sondern mit Schrecken und Sprachlosigkeit. Trotzdem konnten Hoffnungsträger gefunden werden. Eine spannende Spurensuche.
Nach dem Segen verteilte die Pfarrerin für jeden Gast ein Geschenk: eine kleine Holzkugel, die einen hoffnungsvollen Bibelvers enthielt. -dag-