Es gibt ihn seit vielen Jahren, den „Anderen Gottesdienst“ der evangelischen Kirchengemeinde in der St. Johanniskirche. Das Team hatte schon viele ungewöhnliche Ideen, doch eins gabs noch nie: Popsongs von ABBA, gespielt auf der großen Heintz-Orgel. Und nicht nur das, die Orgel erklang in den vielen Jahren noch nie in einem „Anderen Gottesdienst“.
Das Thema des Abends soll die väterliche Beziehung Gottes zu allen Gläubigen sein. Dazu gestattet Jesus den Menschen, Gott, wie er selbst es tut „Papa“ oder „Abba“ zu nennen. Aber was ist das? Die Orgel spielt zwei Songs von ABBA, der legendären schwedischen Popband. Wie passt denn das zusammen? Das in großen Teilen junge Publikum „fremdelt“ zunächst ein wenig mit den beiden Songs „I have a Dream“ und „Money, Money“. Die Strophen klingen trotz gebeamtem Text recht dünn, in den Strophen wird der Gesang jedoch zunehmend lauter. „Die Orgel spielt im Anderen Gottesdienst, das hatten wir ja noch nie“, schwärmen die beiden Moderatorinnen Carina Kronsbein und Levana Mittelberg. Sie erklären das Thema des Gottesdienstes und leiten über zu Hendrik Schubert, der auf seinem Klavierhocker Platz genommen hat. Dieser Platz gibt dem hingebungsvollen Pianisten und Sänger der Kirchenband „Crossroad“, der noch an anderen Stellen der Gemeinde ehrenamtlich tätig ist, die nötige Sicherheit, um seine Andacht zu halten.
Er reflektiert ein wenig die gehörten ABBA-Texte und versucht einen Bezug zum Glauben herzustellen, um dann die vier großen Buchstaben in den Mittelpunkt zu stellen. Er stellt fest, dass sich die Buchstaben ABBA bei den Schweden aus den Anfangsbuchstaben der Bandmitglieder zusammensetzen, während er das aramäische Wort Abba an zwei Stellen in der Bibel gefunden hat. Eine davon beschreibt die Szene mit Jesus im Garten Gethsemane, einen Abend vor dessen Kreuzigung. An diesem Ort spricht er Gott mit den Worten „Abba, alles ist dir möglich. Lass diesen Krug an mir vorüberziehen“, hoffnungsvoll an. Damit versucht Hendrik Schubert zu erklären, dass Christen ihm auch heute, als nahbarem Vater vertrauen können. Ein berührendes Stück der Band Crossroad mit dem Titel „Abba Father“ beendet die Andacht, und „Thank you for the Music“ beendet mit eindrucksvollen Klängen der stimmgewaltigen Orgel den Gottesdienst.
In einem kurzen Gespräch nach dem Gottesdienst sagt Kirchenmusikdirektor Friedemann Engelbert, dass die Anfrage von Bernd Eimterbäumer, Popsongs von ABBA im „Anderen Gottesdienst“ zu spielen, tatsächlich etwas überraschend gewesen sei. „Ich war gespannt, wie sich diese Musik mit dem Thema des Gottesdienstes zusammenbringen lässt und habe mich gerne auf das Experiment eingelassen“, erzählt er weiter. Erfahrungen mit Songs von ABBA hatte er schon, denn er hat mit dem Teenie-Chor bereits zwei ABBA-Songs eingeübt. -sge-