Es war ein Gottesdienst wie aus dem Bilderbuch: „Ich schaue nur in fröhliche Gesichter“ – Mit diesen Worten begrüßte Superintendent Pfarrer Dr. André Heinrich die Gäste in der voll besetzten Dorfkirche in Steinhagen und sprach von einem fröhlichen Anlass. Recht hatte er! Zur Ordination des Pfarrers Dr. Marcel Friesen waren sie alle gekommen: Seine Familie, Freunde, Bekannte, die Steinhagener Gemeinde sowie Mitglieder befreundeter Gemeinden – darunter eine Freikirche und die Mennoniten-Brüdergemeinde Bielefeld. Der Posaunenchor unter der Leitung von Annette Petrick spielte und Tenor Rudolf Reimer sang stimmgewaltig ein Segenslied. Die feierliche Amtseinführung zur Übertragung der Vollmacht übernahmen Synodalassessorin Pastorin Birgit Gillmann sowie Superintendent Pfarrer Dr. André Heinrich. Segenswünsche von Pastoren und Mitgliedern aus dem Presbyterium schlossen sich an. Für Dr. Marcel Friesen aber sicherlich der bewegendste Moment: Die Worte seines vierjährigen Sohnes Thilo, der mit fester Stimme zu seinem Vater sagte: „Papa, Gott segne dich. Ich habe dich lieb“- und ihm dann seine kleine Hand auf den Kopf zum Segen legte.
Was bedeutet eigentlich Ordination? Superintendent Dr. André Heinrich erklärte es so: Man wird in Gottes Amt berufen und ist ausgewählt, öffentlich Gottes Wort zu verkündigen und zu bezeugen in Wort und Sakrament. „Ein großes Bündel an Aufgaben erwartet Sie. Ihre Ausbildung sowie ihre ökumenischen Kontakte werden Sie stärken, ihre Familie unterstützt Sie.“ Salomo hätte von Gott ein weises, verständiges und gehorsames Herz erbeten, eins, das hört. In 2026 sei es wichtiger denn je zuzuhören. „So ein Herz möge Sie begleiten!“, wünschte der Superintendent.
In seiner ersten Predigt als ordinierter Pfarrer ging Dr. Marcel Friesen auf den geheimnisvollen Gott ein. Im Judentum sei Gott unfassbar und unbegreiflich, sein Name werde aus Ehrfurcht und Respekt nicht ausgesprochen. „Aber Gott ist da, wenn es ernst wird, das ist das Fundament. Was er damals getan hat, kann er auch heute tun. Ich möchte mit Euch das Leben feiern, aber auch würdevolle Abschiede. Ich freue mich darauf, dies alles mit Euch gemeinsam zu tun!“
Der 33-jährige Bielefelder hat nach seinem Studium der Theologie in Gießen, St. Andrews (Schottland) und Münster als Wissenschaftlicher Mitarbeiter in Münster gearbeitet, seine Doktorarbeit im Fach Altes Testament in Göttingen eingereicht; ein zweijähriges Vikariat in Werther schloss daran an. Seit Anfang März wohnt er mit seiner Frau Diana und den Kindern Nora (6) und Thilo (4) im Steinhagener Pfarrhaus. Mit einer halben Pfarrstelle tritt er in Steinhagen an - die andere Hälfte ist für innovative Projekte im Kirchenkreis Halle vorgesehen. Davon hat er schon einiges verwirklicht: Die Veranstaltung „Groove. Konzert meets Kirche“ in Werthe oder das Gottesdienst-Format „Wein und Wortklang“ in Steinhagen sind nur zwei Beispiele. Bekannt ist er auch für seine Social Media-Arbeit.
Auf Grußworte wurde im Gottesdienst verzichtet, jeder konnte im Anschluss seine Glückwünsche direkt an den Jubilar richten – und das taten Viele: Die Schar der Gratulanten wollte gar kein Ende nehmen. Den ganzen Tag über zogen Gewitterwolken auf, aber nachdem der neue Pfarrer ordiniert war und der Segen gesprochen, schien die Sonne pünktlich zur Feier vor der Kirchentür. Dunkle Wolken wichen hellem Licht - ein Start, schöner geht’s kaum. So sah es auch Pfarrer Dr. Marcel Friesen - gut gelaunt zog er ein Fazit: „Der Ordinationsgottesdienst wird in mir noch lange nachklingen. Viele Freunde und Weggefährten waren beteiligt. Das bedeutet mir viel.“ -dag-