Mit der Einführung von Stefan Hinsel beginnt im evangelischen Kirchenkreis Halle ein neues Kapitel. Erstmals übernimmt ein Pfarrer offiziell Aufgaben in zwei Kirchengemeinden gleichzeitig. Der Geistliche wird zunächst überwiegend in Halle tätig sein, gleichzeitig aber auch in Werther Verantwortung übernehmen.
Rund 400 Gemeindemitglieder und Gäste kamen am Sonntag zur Einführung in die St.-Jacobikirche in Werther. Gemeinsam mit Superintendent André Heinrich sowie den Pfarrern Holger Hanke und Nicolai Hamilton wurde der neue Seelsorger in sein Amt eingeführt. Auch zahlreiche Presbyterinnen und Presbyter beider Gemeinden begleiteten den Gottesdienst.
In seinen Grußworten betonte Superintendent Heinrich die besondere Bedeutung dieser neuen Form der Zusammenarbeit. Die veränderten Rahmenbedingungen in der Kirche machten neue Modelle erforderlich. Die Verbindung zweier Gemeinden durch einen gemeinsamen Pfarrer sei ein Beispiel dafür, wie kirchliches Leben auch künftig gestaltet werden könne.
Nicolai Hamilton zeigte sich erfreut darüber, dass mit Stefan Hinsel ein junger und engagierter Pfarrer in die Region gekommen sei. Besonders begrüßte er, dass Hinsel bereits mit seiner Frau Alexandra, selbst Pfarrerin in Bielefeld, und dem Familienhund in das Wertheraner Pfarrhaus eingezogen ist und damit früh Nähe zu den Menschen vor Ort sucht.
In seiner Ansprache schilderte André Heinrich den positiven Eindruck, den der neue Pfarrer bereits im Bewerbungsverfahren hinterlassen habe. Erfahrungen in der Kinder- und Jugendarbeit sowie sein theologischer Werdegang hätten deutlich gemacht, dass Hinsel vielfältige Fähigkeiten und neue Perspektiven mitbringe. Besonders wichtig sei ihm die Begleitung von Menschen in entscheidenden Lebensphasen – eine Aufgabe, die zum Kern des Pfarrberufs gehöre.
Stefan Hinsel stammt aus Borken im Münsterland. Schon früh wurde sein Interesse an Kirche und Glauben durch das familiäre Umfeld geweckt. Nach dem Abitur studierte er Evangelische Theologie in Wuppertal. Es folgten Ausbildungs- und Berufsstationen unter anderem in Witten-Annen, Enger und Schloß Holte-Stukenbrock.
Während des Einführungsgottesdienstes legte der 37-Jährige in seiner ersten Predigt den Schwerpunkt auf die Bedeutung christlicher Gemeinschaft. Dabei machte er deutlich, dass es die vollkommen perfekte Gemeinde nicht gebe. Ideale seien dennoch wichtig, weil sie Orientierung geben und dazu ermutigen, füreinander einzustehen. Christlicher Glaube zeige sich nicht allein im Gemeindeleben, sondern auch im alltäglichen Umgang miteinander und in der Unterstützung von Menschen, die Hilfe benötigen.
Musikalisch wurde der Festgottesdienst vom Gospel- und Posaunenchor gestaltet. Im Anschluss kamen die Gäste im Gemeindehaus zusammen, um den neuen Pfarrer persönlich willkommen zu heißen. Vertreter verschiedener kirchlicher und gesellschaftlicher Gruppen überbrachten ihre Glückwünsche und hoben die Chancen hervor, die sich aus der engeren Zusammenarbeit der beiden Gemeinden ergeben.
Die Aufgabenverteilung sieht zunächst vor, dass Stefan Hinsel 75 Prozent seiner Arbeitszeit in Halle verbringt. Mit dem bevorstehenden Ruhestand der Wertheraner Pfarrerinnen und Pfarrer wird sich sein Schwerpunkt jedoch zunehmend nach Werther verlagern. Damit soll langfristig die seelsorgerische Arbeit in beiden Gemeinden gesichert werden. „Das ist natürlich eine Herausforderung – aber zugleich auch eine große Chance. Und es ist schön, dass ich so gleich doppelt so vielen Menschen begegnen kann“, sagt Hinsel.
Für die Gemeinden Werther und Halle markiert die Einführung somit nicht nur einen personellen Wechsel, sondern auch einen wichtigen Schritt hin zu neuen Formen kirchlicher Zusammenarbeit im bereits bestehenden Personalplanungsraum.