Mit Transparenten, Trillerpfeifen und lauten Sprechchören haben rund 500 Kinder, Eltern und Beschäftigte aus Kindertageseinrichtungen auf ihre Sorgen hinsichtlich der geplanten Reform des nordrhein-westfälischen Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) aufmerksam gemacht. Organisiert wurde die Demonstration vom Trägerverbund der evangelischen Tageseinrichtungen für Kinder unseres Ev. Kirchenkreis Halle.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer versammelten sich zunächst am ehemaligen Busbahnhof und zogen anschließend in einem von der Polizei begleiteten Demonstrationszug durch die Innenstadt zum Kirchplatz. Dort wurden die Forderungen der Kitas und Familien im Rahmen einer von Florentine Enders, stellvertretende Geschäftsführung des Verbundes, moderierten Kundgebung vorgestellt.
Aus Sicht der Träger und Beschäftigten drohen durch die geplanten gesetzlichen Änderungen Verschlechterungen für die pädagogische Arbeit. Kritisiert werden unter anderem mögliche Einschnitte bei der Finanzierung, Veränderungen beim Personaleinsatz sowie eine aus Sicht der Einrichtungen unzureichende Antwort auf den bestehenden Fachkräftemangel.
Sven Borgsen, Geschäftsführer des Trägerverbundes, betonte, dass die Anforderungen an Kindertageseinrichtungen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen seien. Gleichzeitig hätten sich die Rahmenbedingungen nicht in gleichem Maße verbessert. „Eine Finanzierung muss sich an der Realität orientieren. Es braucht Personal, wenn man sich Zeit fürs Kind nehmen will“, sagte Borgsen. Frühkindliche Bildung könne nur gelingen, wenn ausreichend Fachkräfte zur Verfügung stünden.
Der Ev. Kirchenkreis betreibt selbst 23 Kitas in denen über 500 Mitarbeitende beschäftigt sind. Die Mitarbeitenden selbst hatten die Idee zur Demo und erarbeiteten gemeinsam das Konzept sowie den Schlachtruf „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut!“, den alle Kita-Kinder im Vorfeld auswendig lernten.
Auch Superintendent Dr. André Heinrich unterstrich bei der Kundgebung die Bedeutung einer qualitativ hochwertigen frühkindlichen Bildung. „Ein Kindergarten ist schon vom Namen her ein Ort, an dem Lebewesen groß werden und gedeihen können. Wenn hier aber nur noch verwaltet und untergestellt wird, haben wir eher so etwas wie eine Kindergarage“, erklärte er. Kindertageseinrichtungen seien Orte des Lernens, der Entwicklung und der individuellen Förderung.
Vertreterinnen aus den Einrichtungen verwiesen auf die zunehmende Vielfalt der Aufgaben in der pädagogischen Arbeit. Kinder bräuchten heute häufig sehr unterschiedliche Formen der Unterstützung und Begleitung. Dafür seien ausreichend Zeit, qualifiziertes Personal sowie regelmäßige Fort- und Weiterbildungsangebote erforderlich. „Wir sind zuallererst eine Bildungseinrichtung und nicht nur eine Betreuung. Um unseren Bildungsauftrag erfüllen zu können, brauchen wir auch vernünftige Rahmenbedingungen durch die Landespolitik“, sagt Claudia Krüger, Leiterin der Ev. Kita Künsebeck. Mehrfach wurde zudem die Forderung laut, Bürokratie abzubauen und den Fokus stärker auf die Arbeit mit den Kindern zu richten.
Auch Eltern beteiligten sich an der Kundgebung. Marco Lehmann, Vater eines Kita-Kindes, machte deutlich, dass gute Rahmenbedingungen nicht nur den Kindern zugutekämen, sondern auch Familien insgesamt stärkten. „Gute Bildung gibt es nicht zum Nulltarif“, sagte er. Politik und Gesellschaft müssten bereit sein, in die frühkindliche Bildung zu investieren.
Besonders kritisch sehen die Einrichtungen geplante Regelungen zum Personaleinsatz. Nach den derzeit diskutierten Reformvorschlägen sollen qualifizierte Fachkräfte verstärkt in den Kernzeiten eingesetzt werden, während Randzeiten häufiger von Ergänzungskräften abgedeckt werden könnten. Zudem wird befürchtet, dass größere Gruppen und mögliche Überbelegungen die Belastung für Kinder und Beschäftigte erhöhen.
Weitere Sorgen betreffen die Finanzierung kleiner Einrichtungen, insbesondere im ländlichen Raum. Träger befürchten, dass der Wegfall bestimmter Zuschüsse die wirtschaftliche Grundlage einzelner Kitas gefährden könnte.
Mit ihrer Demonstration wollten die Beteiligten ein deutliches Signal an die Landespolitik senden. Ihr gemeinsames Anliegen: Die Qualität frühkindlicher Bildung und Betreuung soll auch künftig durch ausreichende personelle, finanzielle und pädagogische Ressourcen gesichert werden.