Wie wächst eigentlich das Getreide auf den Feldern rund um Versmold? Welche Herausforderungen prägen heute die Arbeit landwirtschaftlicher Betriebe? Und was haben Landwirtschaft und Kirche miteinander zu tun? Antworten auf diese Fragen gab ein gemeinsamer Feldbegang, zu dem der Ortsverband Versmold des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV) eingeladen hatte.
Die Einladung knüpfte an Gespräche im Oikos-Ausschuss des Kirchenkreises an, bei denen die Bedeutung eines guten Austauschs zwischen Landwirtschaft und Kirche betont worden war. Um gegenseitiges Verständnis zu fördern, waren Pfarrerinnen und Pfarrer, Presbyteriumsmitglieder sowie Vertreterinnen und Vertreter des Versmolder Rates eingeladen worden, Landwirtschaft vor Ort kennenzulernen. Insgesamt nahmen 14 Personen aus dem Kirchenkreis, darunter Superintendent und Assessorin, sowie mehrere Ratsmitglieder und Landwirte teil.
Ausgangspunkt der rund dreistündigen Veranstaltung war der Hof Krumkühler an der Laerstraße. Von dort aus ging es mit einem von einem Traktor gezogenen Planwagen auf eine etwa anderthalbstündige Fahrt durch die Versmolder Feldflur. Als sachkundiger Begleiter führte Hendrik Ruwisch die Gruppe über die Felder und erläuterte anschaulich die Besonderheiten des diesjährigen Pflanzenbaus. Unterstützt wurde er dabei von Martin Bohle, dem Vorsitzenden des Ortsverbandes, und weiteren Landwirten.
Für viele Teilnehmende wurde die Fahrt zu einer Art „Sendung mit der Maus“ für Erwachsene. Mit großem Fachwissen und verständlichen Erklärungen vermittelte Ruwisch Zusammenhänge, die Außenstehenden oft verborgen bleiben. So wurde deutlich, dass die Böden rund um Versmold vergleichsweise nährstoffarm sind. Reiner Ackerbau sei hier kaum möglich, vielmehr ergänzten sich Tierhaltung und Pflanzenbau traditionell gegenseitig. Die angebauten Getreidesorten wie Roggen, Gerste und Triticale dienten überwiegend als Futtergetreide oder würden für Biogasanlagen genutzt.
Besonders interessant war für viele die Vorstellung der Getreideart Triticale, einer Kreuzung aus Weizen und Roggen, die die Ertragsstärke des Weizens mit der Robustheit des Roggens verbindet. Seit rund vier Jahrzehnten wird sie auch in der Region angebaut.
Deutlich wurde während des Feldbegangs, wie stark landwirtschaftliche Entscheidungen von Wetter, Bodenverhältnissen, Marktpreisen und politischen Rahmenbedingungen abhängen. Der Klimawandel verlängere inzwischen die Vegetationsperiode um mehrere Tage pro Jahr und verändere damit die Arbeitsabläufe auf den Höfen. Gleichzeitig müssten Landwirte zahlreiche gesetzliche Vorgaben beachten und sämtliche Maßnahmen dokumentieren. Fehlentscheidungen könnten erhebliche wirtschaftliche Folgen haben.
Ein weiterer Schwerpunkt war das Thema Naturschutz. Die Landwirte erläuterten verschiedene Förderprogramme, bei denen Flächen gezielt für den Artenschutz bewirtschaftet werden. Dazu gehören beispielsweise extensiv genutzte Wiesen, Blänken und Kleingewässer als Lebensraum für Amphibien, Insekten und Vögel oder besondere Bewirtschaftungsformen auf Ackerflächen. Die Teilnehmer erfuhren zudem von Maßnahmen wie der Kitzrettung vor der Mahd oder der Rücksichtnahme auf Bienen durch abgestimmte Pflanzenschutzmaßnahmen in Zusammenarbeit mit Imkern.
Großes Potenzial sieht die Landwirtschaft nach Einschätzung von Hendrik Ruwisch in der Digitalisierung. Moderne Maschinen erfassen heute die Eigenschaften einzelner Feldbereiche und können Aussaat, Düngung oder Pflege präzise an die jeweiligen Bedingungen anpassen. Damit werde Erfahrungswissen, das früher vor allem innerhalb von Familienbetrieben weitergegeben wurde, durch digitale Technik ergänzt und noch gezielter nutzbar gemacht.
Auch aktuelle Marktentwicklungen kamen zur Sprache. So profitiert der Rapsanbau in diesem Jahr von günstigen Wachstumsbedingungen und stabilen Preisen. Gleichzeitig wurde deutlich, wie arbeitsintensiv der Anbau dieser Kulturpflanze ist und wie sorgfältig Schädlinge und Nährstoffversorgung beobachtet werden müssen.
Zum Abschluss besichtigten die Gäste den Hof Krumkühler. Der Familienbetrieb hat sich auf die Aufzucht und Mast von Angus- und Wagyu-Rindern spezialisiert und verbindet die Tierhaltung mit nachhaltigem Ackerbau. Bei Bratwurst und Getränken wurde das Gespräch zwischen Landwirtschaft, Kirche und Kommunalpolitik fortgesetzt.
In den abschließenden Worten wurde eine Gemeinsamkeit besonders hervorgehoben: Sowohl Landwirtschaft als auch Kirche wissen darum, dass der Mensch vieles planen, gestalten und beeinflussen kann, letztlich aber Grenzen gesetzt sind. Wachstum, Wetter und Ernte bleiben trotz aller Technik nicht vollständig verfügbar. Das Vertrauen darauf, dass nicht alles in Menschenhand liegt, verbindet beide Bereiche. Das Erntedankfest erinnert jedes Jahr aufs Neue an diese Haltung von Dankbarkeit und Ehrfurcht.
Der Superintendent dankte dem Ortsverband des WLV für die Einladung und betonte, dass es eine besondere Erfahrung gewesen sei, als Kirchenkreis von einer anderen Institution zu einem solchen Austausch eingeladen zu werden. Als kleines Zeichen des Dankes wurde den Gastgebern ein augenzwinkerndes Präsent überreicht: „Harsewinkeler Pferdeäpfel“.