Wer an der Königsberger Straße in Versmold vorbeikommt, könnte meinen, hier wird gebaut. Doch hinter dem Eindruck steckt vor allem eines: Warten. Die Kindertagesstätte hofft seit Jahren auf einen dringend benötigten Anbau – bislang vergeblich. Immer wieder bremsen bürokratische Hürden das Projekt aus.
Und trotzdem: In der Kita wird nicht gejammert, sondern angepackt. Improvisiert. Gelacht.
Ein Teil des Alltags spielt sich inzwischen in Containern ab. Eigentlich eine Notlösung – doch für die Kinder fühlt es sich gar nicht so an. Für sie ist das völlig normal – und sogar spannend“,. Drinnen ist es bunt, lebendig, voller Fantasie. Kein Gefühl von Provisorium, sondern von Geborgenheit.
Das liegt auch am Konzept der Einrichtung. Hier gibt es keine festen Gruppen, keine starren Abläufe. Die Kinder dürfen selbst entscheiden, worauf sie Lust haben, wohin sie gehen, was sie ausprobieren. Die Räume sind Themenwelten – Orte zum Spielen, Entdecken und Träumen.
Auch der Container ist so ein Ort geworden. Hier wird im Rollenspiel gekocht, verkauft, Bus gefahren oder einfach zur Ruhe gekommen. Was von außen wie eine Übergangslösung wirkt, ist für die Kinder ein ganz selbstverständlicher Teil ihrer Welt.
Dabei sollte alles längst anders sein.
Schon 2022 haben sich Träger und Kita auf den Weg gemacht, die Einrichtung zu erweitern. Mehr Platz schaffen, bessere Bedingungen – vor allem für die rund 70 Kinder, die hier täglich betreut werden. Doch aus den Plänen wurde bisher kein Bau.
Der Grund: Geld und Genehmigungen. Rund 2,5 Millionen Euro würde der Um- und Anbau kosten – eine Summe, die nicht allein gestemmt werden kann. Fördergelder sind nötig, doch die Verfahren ziehen sich. Viele Stellen sind beteiligt, viele Entscheidungen müssen getroffen werden. Und so scheint das Projekt immer wieder ins Stocken zu geraten.
„Ich kann auch die Anwohner, Nachbarn und Eltern verstehen, die ungeduldig werden und sich aufregen. Durch die Container haben wir weniger Parkplätze, was ärgerlich ist, aber bei den Kolleginnen und Kollegen dazu geführt hat, dass jetzt mehr ein Jobrad haben und mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen“, sagt Kita-Leiterin Kerstin Bierhake.
Die Enttäuschung darüber ist bei allen Beteiligten spürbar. Der Wunsch, dass es schneller vorangeht, ist groß. Aber die Realität lässt sich nicht einfach beschleunigen.
„Auch wir sind nicht begeistert davon, dass es so lange dauert, und wünschen uns,dasss es bald losgeht“, sagt Florentine Enders, stellvertretende Geschäftsführerin des Kita-Verbundes des Ev. Kirchenkreises Halle.
Und selbst wenn es endlich losgeht, wird es nicht einfacher. Denn die Kita kann während der Bauzeit nicht schließen. Es müsste parallel gebaut und betreut werden – eine enorme Herausforderung für alle Beteiligten.
Trotzdem: Aufgeben ist keine Option.
Im Gegenteil – die Verantwortlichen schauen nach vorn und holen das Beste aus dem, was da ist. Und manchmal entstehen aus der Not sogar schöne Momente. Der Container schafft zusätzlichen Raum, der kreativ genutzt wird. Ein separater Bereich für Geburtstage etwa, in dem Kinder ihren Ehrentag feiern, Freunde einladen und einfach Kind sein können. Kleine Inseln des Glücks im Alltag.
Und ein kleiner Hoffnungsschimmer ist schon sichtbar: Das Außengelände der Kita wird neugestaltet. Unabhängig vom großen Bauprojekt konnten dafür Spenden gesammelt werden. Rund 100.000 Euro sollen investiert werden – erste Bereiche sind bereits umgesetzt. Hier wird schon bald geklettert, gerutscht und gespielt – vielleicht ein Vorgeschmack auf das, was noch kommen soll.
Bis dahin bleibt vor allem eines: Geduld. Und die Fähigkeit, aus wenig viel zu machen.
Oder anders gesagt: eine Kita, die zeigt, dass gute Betreuung nicht nur von Gebäuden abhängt – sondern von Menschen, die mit Herz dabei sind.