Im Jahr 1926 gründete der neue Pastor Haider in Hörste eine Frauengruppe, die „evangelische Frauenhilfe“. Das wurde von den Männern damals natürlich kritisch beäugt, wer soll sich denn in der Zeit um Hof und Kinder kümmern? Die Frauenhilfe war bereits 1898 von Kaiserin Auguste Viktoria gegründet worden mit dem Zweck, soziales und kirchliches zu verbinden. Die Kräfte der Frauen zu bündeln, das wünschte sich auch der Pastor in Hörste und so lud er sie zu einem ersten Treffen ein. Aus zunächst acht mutigen Frauen wurden innerhalb eines Jahres bereits 60 Damen, die sich nicht nur zum Austausch, sondern ebenso zum Helfen aus christlicher Nächstenliebe treffen.
Seit inzwischen 100 Jahren treffen sich Frauen aus Hörste, die ein oft hartes, arbeitsreiches Leben auf dem Land führen, um regelmäßig „mal was anderes zu hören“ und abseits der sonntäglichen Gottesdienste gemeinsam über Gott zu sprechen. Und ja, um etwas weiterzugeben, obwohl es ihnen in den Kriegs- und Nachkriegsjahren oft selbst nicht gut geht. Es gibt Hilfseinsätze, es werden Hilfspakete gepackt und im Dorf hilft man sich gegenseitig bei Not und Krankheit.
Und so ist es in Hörste geblieben in den letzten 100 Jahren. Man trifft sich, inzwischen monatlich, zu Kaffee, Kuchen und Schnittchen und erzählt sich „das neueste vom Tage“. Zu den Treffen gehört immer eine Andacht und ein Impuls oder ein interessanter Vortrag, sowie Gespräche darüber, ob irgendwo Hilfe oder Unterstützung nötig ist.
“Immer unter dem Segen Gottes“, wie der aktuelle Hörster Pfarrer Tim Henselmeyer in seiner Ansprache betont. Ihm ist es wichtig, diese Gruppe mit etwa 20 aktiven, älteren Frauen weiterzuführen. „Heute sind es natürlich andere Themen, die die Frauen bewegen“, sagt er. Es sind die modernen Zeiten mit ihren Anforderungen und teilweise Überforderungen, erzählt er. Dazu gehört das Internet und alles rundherum was mit schneller Reaktion und immer neuer Technik, ohne die man oft nicht mehr zurechtkommt, gehört. Bei den Treffen kommt das oft zur Sprache und Tim Henselmeyer ist es dann wichtig, zuzuhören und zu Ermutigen. Hier helfen oft Gottes Worte. „Gott steht zu uns und ist für uns da“, sagt er, das trifft in der heutigen Zeit immer noch zu.
Zum Jubiläum wird den ganzen Nachmittag über immer wieder fröhlich gesungen und eine schöne Andacht darf an diesem Tag natürlich ebenfalls nicht fehlen. Nach einem kleinen Ausflug auf die Wiese, um diesen Tag fotografisch festzuhalten geht es an die liebevoll mit Sommerblumen eingedeckte Kaffeetafel und es wird munter über die vielen vergangenen Jahre in der Frauenhilfe Hörste geschwätzt.
Silke Gregor-Eckroth