Die Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Halle ist am Freitag in Steinhagen zusammengekommen und hat zentrale Zukunftsfragen der Kirche beraten. 46 stimmberechtigte Vertreterinnen und Vertreter aus Gemeinden und Diensten sowie weitere Gäste nahmen an der Sitzung teil, die mit einem Gottesdienst begann.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich Kirche angesichts knapper werdender Ressourcen und gesellschaftlicher Veränderungen strategisch neu aufstellen kann.
„Kirche der Zukunft gestalten“
Superintendent Dr. André Heinrich rief dazu auf, den Wandel aktiv zu gestalten. Es brauche klare Ziele und eine gemeinsame Strategie – auch über Kirchenkreisgrenzen hinweg. „Wir müssen ein Bild davon entwickeln, wie unsere Kirche in zehn Jahren aussehen soll“, so Heinrich in seinem Bericht.
Eine bloße Fortschreibung bisheriger Strukturen reiche nicht aus. Vielmehr gehe es darum, Kräfte zu bündeln und neue Wege zu gehen.
Ein wichtiger Schwerpunkt war deshalb auch die geplante Überarbeitung der Kirchenordnung der Evangelischen Kirche von Westfalen. Diese grundlegende Ordnung stammt in Teilen noch aus den 1950er Jahren und soll verständlicher sowie flexibler werden. Als erster Kirchenkreis in Westfalen durfte nun Halle gemeinsam mit den Projektverantwortlichen, Landeskirchenrat Dr. Hans-Tjabert Conring und Pfarrerin Jutta Beldermann auf einer Kreissynode an der Revision arbeiten. Konkret ging es um den Bereich „Beauftragungen und Ämter“ sowie „Gemeinden und Kirchengemeinden“, der die veränderte Personalsituation berücksichtigt und neue Blickwinkel auf alle kirchlichen Mitarbeitenden und ihre Zusammenarbeit gewährt. In Gruppenarbeiten ging es um 5 zentrale Bereiche von Presbyterium über Kirchengemeinden ohne Gebiet, Körperschaften oder auch Beauftragungen und Ämter.
Prävention bleibt Daueraufgabe
Breiten Raum nahm auch die Prävention gegen sexualisierte Gewalt ein. Der Kirchenkreis setzt hier bereits auf verpflichtende Schulungen und Schutzkonzepte. Seit Anfang des Jahres wird diese Arbeit durch eine eigene Fachkraft unterstützt. ist Diakonin und Diplom-Sozialarbeiterin Manuela Kleingünther ist bereits seit August 2022 bei den Evangelischen Kirchenkreisen Bielefeld und Gütersloh als Fachkraft für Prävention beschäftigt und übernimmt nun zusätzlich auch in Halle diese Funktion.
Entscheidung zur Jugendarbeit
Auch beraten wurde ein Antrag des Kreissynodalen Jugendausschusses: Er hatte gefordert, die Stelle der synodalen Jugendarbeit deutlich aufzustocken. Der bisherige Umfang von 21 Wochenstunden reiche angesichts wachsender Aufgaben nicht mehr aus. Die Synode stimmte der Aufstockung der Stelle der synodalen Jugendreferentin von 21 auf 30 Wochenstunden zu, die Mehrkosten sollen anteilig von den Kirchengemeinden getragen werden.
Wahl im Finanzausschuss
Außerdem stand eine Wahl der Stellvertretenden im Finanzausschuss sowie eine Nachnominierung von Hartmut Landwehr (KG Brockhagen) in diesen als Nachfolger von Gianna Ortega auf der Tagesordnung. Gewählt wurden per Liste als Stellvertretungen Marion Kinner (Harsewinkel), Marion Haßheider (Bockhorst), Jonas Schlingmann (Halle), Andrea Kahl (Borgholzhausen), Uwe Nissen (Steinhagen), Bianca Rolf (Versmold) sowie Claudia Goldbach und Andreas Gerdkamp (Brockhagen).
Viel Bewegung im Kirchenkreis
Neben den Beschlüssen berichtete der Superintendent von zahlreichen Veränderungen: personelle Wechsel, neue Kooperationsformen zwischen Gemeinden und Anpassungen an sinkende Einnahmen prägen derzeit die Entwicklung.
Trotz aller Herausforderungen gebe es aber auch positive Entwicklungen – etwa stabile Einrichtungen in Diakonie und Kitas sowie neue Impulse durch internationale Jugendbegegnungen.
Die Synode macht deutlich: Der Kirchenkreis Halle steht mitten in einem umfassenden Umbauprozess. Strukturen werden überprüft, Aufgaben neu verteilt und langfristige Perspektiven entwickelt.
Oder, wie Superintendent Heinrich es formuliert: „Es ist höchste Zeit, dass wir kreativ werden und miteinander die Kirche unserer Zukunft entwerfen!“