Die zwei letzten Konzerte des Haller Musiksommers zeigten die ganze Bandbreite der Klangkunst. Mit dem Ensemble „Concert Royal Köln“ kamen mit deren Gründerin, der Oboistin Karla Schröter, sowie dem Organisten Christoph Anselm Noll zwei hochkarätige Musiker in die St. Johanniskirche. Sie präsentierten Werke des Barock, meist als Duo – bei zwei Kompositionen von J. S. Bach (Praeludium C-Dur BWV 547/1 und Fuge C-Dur BWV 547/2) sowie einer weiteren von Carl Philipp Emanuel Bach (Sonata III F-Dur, Wq 70,3) jedoch glänzte Christoph Anselm Noll mit viel Spielfreude als Solist an der Orgel. Ein Teil des Konzerts bestand aus Choralvorspielen bekannter Stücke wie „Jesu, meine Freude“ oder „Nun danket alle Gott“.
Das Ensemble, dass bereits mehrere CDs eingespielt hat und für die Einspielung der Bläserkammermusik von Johann Wilhelm Hertel im Oktober 2015 dafür mit dem ECHO Klassik ausgezeichnet wurde, präsentierte von diesem Komponisten die Partita d-Moll, das vom begeisterten Publikum mit viel Applaus bedacht wurde. „Das war unglaublich, ein wirklicher musikalischer Hochgenuss“, schwärmte eine Besucherin am Ausgang und sprach damit sicherlich vielen der rund 130 Gäste, die sich an diesem Sonntag auf den Weg gemacht hatten, aus der Seele.
Den Abschluss der acht Gratiskonzerte setzten in der Herz-Jesu-Kirche Heiner Wiberny mit Saxophon, Klarinette und Flöte sowie der Gitarrist Marius Peters. Das Jazz-Konzert unter dem Motto „Two Generations of Music“ beinhaltete Eigenkompositionen, aber auch Songs von Sydney Bechet, Luiz Bonfà, Ann Ronell und Stevie Wonder. Wie kommt es zu dem Motto? Ganz einfach: Mit dem 37-jährigen, mit internationalen Jazzpreisen ausgezeichneten Kölner Gitarristen und dem 81-jährigen in Dinslaken geborenen Heiner Wiberny treffen zwei Generationen aufeinander. Der Jazzmusiker und Komponist war fast drei Jahrzehnte lang eine Säule der WDR-Bigband Köln, hat mit international renommierten Musikern zusammengearbeitet und erhielt mit der Bigband sechs Grammy-Nominierungen in den USA und gewann zwei Grammys 2007 und 2008.
Als Duo arbeiten die Beiden seit mehr als 10 Jahren zusammen und dass die Chemie zwischen ihnen stimmt – davon konnten sich die gut 110 Zuhörer überzeugen. Das kurzweilige Programm bestand aus 11 Songs, gut die Hälfte aus Eigenkompositionen. „Wer ein Stück geschrieben hat, muss etwas dazu sagen“, hieß es – und so erhielt das Publikum stets interessante Informationen. „Rabatz am Eierplätzchen Platz“ entstand nach einem Spaziergang Peters in Köln, als er eben dort kubanische Musik hörte und „Hills of Scotland“ aus einem Urlaub, wo in einem Pub im Nirgendwo gute Stimmung herrschte. „Beide Ereignisse musste ich anschließend musikalisch verarbeiten“. „One Night in June“ erinnert Wiberny daran, wie er seine Frau, mit der er bis heute glücklich verheiratet ist, 1970 kennenlernte und „Ulla in Africa“? Auch das schrieb er für seine Frau und der Song avanciert inzwischen zu einem kleinen Welt-Hit. Blues und Jazz wechselten sich während des Konzertes ab, Weltmusik und zeitgenössische Musik verschmolzen – das Publikum dankte mit stehenden Ovationen und erhielt zwei Zugaben: „Lonesome“ und „White Cat Blues“ – beides von Sydney Bechet.
Markus Stein von der katholischen Kirchengemeinde, einer der Organisatoren der Konzertreihe - neben Friedemann Engelbert von der evangelischen Kirchengemeinde - war ebenfalls begeistert. „Das war ein hochkarätiges Jazz-Konzert!“ Rückblickend ist er mehr als zufrieden mit dem Verlauf des 7. Haller Musiksommers. Die Besucherzahlen stiegen stetig, man könne durchaus von einem Erfolgsmodell sprechen. Und nach dem 7. Musiksommer ist vor dem 8. Musiksommer: Bereits im November beginnen die Vorbereitungen für das nächste Jahr. „Ich habe da schon einige Namen im Kopf“, sagt er. Man darf gespannt sein… -dag-