Auf großes Interesse stieß die Veranstaltung „Lass es wachsen“, zu der das Projekt „Klimahelden im Alltag“ des Evangelischen Kirchenkreises Halle gemeinsam mit der Evangelischen Erwachsenenbildung Gütersloh eingeladen hatte. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher kamen am Montagabend ins Haus Kavenstroth in Versmold, um den Vortrag von Anette und Ingold Klee über naturnahe Gartengestaltung und Artenvielfalt zu erleben.
Schon nach wenigen Minuten wurde deutlich, dass die Referenten mit ihrem Ansatz den Nerv des Publikums trafen. Mit vielen Fotos, kurzen Videos und persönlichen Geschichten nahmen Anette und Ingold Klee die Zuhörer mit auf die Entwicklung ihrer eigenen Hofstelle. Anschaulich zeigten sie, wie sich eine Gartenfläche über die Jahre verändern kann, wenn der Natur mehr Raum gegeben wird.
Besonders eindrucksvoll war für viele Besucher die Erkenntnis, dass jeder Garten zu einem wertvollen Lebensraum für Tiere und Pflanzen werden kann. Auslöser für das Engagement der Klees war eine Entdeckung in einer Garten-Gruppe auf Facebook: Auf einem Foto hatten sie gesehen, dass Insekten in den Stängeln von Rosen nisteten. Als sie ähnliche Beobachtungen im eigenen Garten machten, wurde ihnen bewusst, wie viel Leben auf scheinbar unscheinbaren Flächen stattfinden kann. „Ein kleines Erlebnis kann viel in Gang setzen“, machten sie deutlich.
Im zweiten Teil des Vortrags widmete sich Ingold Klee den Wildbienen und anderen Insekten. Er erläuterte die dramatischen Folgen des Artensterbens und erklärte, warum viele Insektenarten Schwierigkeiten haben, sich an die rasanten Veränderungen ihrer Lebensräume anzupassen. Rund 560 Arten von Stechimmen gebe es in Deutschland. Einige davon, darunter Mauerbienen oder Blattschneiderbienen, könnten in vielen Gärten beobachtet werden.
Auch weit verbreitete Irrtümer kamen zur Sprache. So seien viele handelsübliche Insektenhotels aus dem Baumarkt für Wildbienen nur bedingt geeignet. Falsche Bohrungen, ungeeignete Durchmesser oder zu flache Nisthilfen würden den Tieren oft wenig nutzen. Stattdessen gab Klee praktische Tipps für den Bau geeigneter Nisthilfen.
Mit zahlreichen Beispielen machten die Referenten Mut, den eigenen Garten anders zu betrachten. Naturnahe Flächen müssten nicht perfekt aufgeräumt sein. Einheimische Pflanzen, seltenes Mähen sowie der Verzicht auf Dünger und Mulch könnten viel zur Förderung der Artenvielfalt beitragen. Besonders der oft bekämpfte Löwenzahn sei ein wahres „Superfood“ für zahlreiche Insektenarten. Manchmal könne bereits das Stehenlassen einzelner Pflanzen einen wertvollen Beitrag leisten.
Die lebendige Präsentation mit vielen Praxisbeispielen führte zu einer regen Beteiligung des Publikums. Zahlreiche Nachfragen zeigten, wie sehr das Thema die Besucher bewegte. Viele nutzten die Gelegenheit, eigene Erfahrungen einzubringen und sich über Möglichkeiten auszutauschen, den eigenen Garten in ein kleines Naturparadies zu verwandeln.
Am Ende blieb die zentrale Botschaft des Abends: Artenvielfalt beginnt direkt vor der eigenen Haustür. Wer der Natur etwas mehr Raum gibt, kann mit einfachen Mitteln dazu beitragen, wertvolle Lebensräume für Insekten und andere Tiere zu schaffen. Die vielen interessierten Nachfragen und Gespräche nach dem Vortrag machten deutlich, dass diese Botschaft in Versmold angekommen ist.