Andacht zum 2. Oktober 2022

Am kommenden Sonntag feiern wir das Erntedankfest. Das Fest gibt Gelegenheit, auf den eingeholten Ernteertrag zu blicken, zu danken und sich daran zu erinnern, dass er ein Geschenk Gottes ist, der für seine Kinder und ihr Leben sorgt.

In den vergangenen Jahren wurde der Dankcharakter dieses Tages aber mehr und mehr von Sorgen überzogen, und das wird in diesem Jahr nicht anders sein.

Immer heißere und trockene Sommer, die Gewässer wie vom Erdboden verschwinden lassen und große Teile der Ernte vernichten. Die Energieprobleme, die zu dramatischen Preissteigerungen führen und weiter führen werden. Angst um Massenpleiten.  Die Sorge um den äußeren Frieden, und jetzt auch schon um den inneren sozialen Frieden.

Dank bestimmt nicht mehr wirklich den Tag des Erntefestes. Eher Existenzangst. Das betrifft uns alle.

Dennoch möchte Jesus uns Mut machen. Er sagt: „Macht euch keine Sorgen um euren Lebensunterhalt, um Nahrung und Kleidung! Setzt euch für Gottes Reich ein und dafür, dass sein Wille geschieht. Dann wird er euch mit allem anderen versorgen.“ Aufmunternde Worte, aber können sie uns in der Zeit der Krisen wirklich erreichen?

Eine Botschaft sticht hervor: Setzt euch ein für Gottes Reich und für seinen Willen. Das Reich beginnt jetzt und hier unter uns, wo Menschen bereit sind, Zeugen der Liebe und der Hoffnung zu sein. Wer sonst sollte noch dafür einstehen, wenn nicht die, die sich von Gott und seinem Geist zum Leben inspirieren lassen können. Auch Jugendliche werden wieder wach und fordern in Aktionen von „Fridays for Future“ wieder aktives Handeln für das Klima.

Erntedankfest sollte diese Hoffnung aufleben lassen, dass wir Menschen es können, wenn wir nur wollen. Dem Willen werden so Taten folgen.

Klar! Was bleibt von der Hoffnung, wenn Länder wie China, Russland, sogar im vereinten Europa ihre Verantwortung ausblenden?

Hoffnung darf nie resignativ sein. Hoffnung bleibt nicht stehen, sondern blickt nach vorne. Hoffnung macht auch dann noch aktiv, wenn alles scheinbar dagegenspricht.

Gelebte Hoffnung kann mitreißen! Feiern wir Erntedankfest!

 

Pfarrer Rüdiger Schwulst, Versmold