Partnerschaften

Der Evangelische Kirchenkreis Halle unterhält seit 1990 eine lebhafte partnerschaftliche Verbindung zum Kirchenkreis Misiones der Evangelischen Kirche am Rio de la Plata (IERP). 1999 wurde eine Partnerschaftsvereinbarung unterzeichnet.

Die IERP wurde von deutschen Auswanderern und Auswanderinnen in Südamerika gegründet und umfasst heute 47.000 Mitglieder. Sie ist eine Drei-Länder-Kirche. Ihr Gebiet erstreckt sich vor allem auf Teile Argentiniens. Doch es gibt auch elf Gemeinden in Paraguay und drei in Uruguay.

Blitzbesuch im Partnerschaftskirchenkreis Misiones

Vom 23. März bis 4. April 2018 besuchten wir, Ehepaar Arning und Erica Arning, einige Orte an der Ruta doce (Nationalstraße 12) in Misiones. Unsere Reise hatte drei besondere Schwerpunkte:
•    Die Gemeinde Montecarlo mit dem kommunalen Altenheim San Roque
•    Die Gemeinde Posadas mit der Erweiterung des Dietrich Bonhoeffer-Hauses
•    Die Vorbereitung der nächsten Begegnungsreise mit dem Schwerpunkt: Jugend baut Brücken

Natürlich gab es eine Fülle fröhlicher Kontakte beim Wiedersehen nach dem Gottesdienst zur Goldenen- und Silbernen Konfirmation. Bei dieser Gelegenheit haben wir einen Rollator als Geschenk für die Diakonie der Gemeinde überreicht und beim Treffen der Frauenhilfe in Montecarlo die Funktionsweise erklärt. Im Gemeindesaal konnten wir uns davon überzeugen, wie segensreich sich doch die Klimaanlage auswirkt, die vor kurzem dank der Hilfe der Frauenhilfe im Johannes-Busch-Haus in Steinhagen angeschafft werden konnte. Auch die Spielgeräte auf dem Freigelände der Gemeinde finden regen Zuspruch. Aber besonders beeindruckt hat uns der Besuch des Altenheims „San Roque“.

Besuch Altenheim San Roque Montecarlo
Um 11 Uhr treffen wir uns mit Pfarrer Mario Bernhardt. Er und Amanda Rauh führen uns durch die schöne Parkanlage. Kleine Häuschen im Grünen versteckt, unter großen, alten Laubbäumen, geben den 19 Heimbewohnern in der Sommerhitze ein geschütztes Zuhause. Im Winter fällt das Laub und die Sonne scheint warm auf den gepflegten Rasen. Der Hausmeister, der sich seit der Gründung vor 40 Jahren sowohl um die Außenanlagen als auch um die Inneneinrichtung kümmert, hat eine kleine Werkstatt am Ende des Geländes. Hier repariert er die Rollstühle, Betten, Stühle und alles Weitere, was anfällt. Er ist ein Allround-Talent.
Jede Woche werden die meist deutschstämmigen Bewohnerinnen und Bewohner von einer Kirchengemeinde besucht. Einmal im Monat ist auch Pfarrer Bernhardt mit einer Gruppe Frauen dabei. Sie treffen sich im Gemeinschaftsraum, es wird viel mit Begleitung der Gitarre gesungen. Die Bewohnerinnen und Bewohner hören gerne Geschichten.
Das Altenheim unterhält einen Gemüsegarten, einen Hühnerstall und zurzeit leben auch ein paar Schweine dort, die täglich gefüttert werden wollen. Alle Mitbewohnerinnen und Mitbewohner helfen, solange sie können. Obst wird geerntet, geschält und zu Saft oder Marmelade verarbeitet, Gemüse für das Essen zubereitet.
Die Betreuerin berichtet, dass die Alten gerne Teigtaschen – empanadas – essen. Da die Zubereitung besonders viel Arbeit ist, müssen die Bewohnerinnen und Bewohner bei der Zubereitung mithelfen.
Ein Mitglied der Lebensgemeinschaft hat das Down-Syndrom. Er hat sich im Laufe der 14 Jahre, die er schon dort lebt, zur Aufgabe gemacht, sich um die Wäsche zu kümmern. Luisito fährt mit einem alten Rollstuhl von Zimmer zu Zimmer und von Häuschen zu Häuschen, sammelt die schmutzige Wäsche ein, bringt sie zur Wäscherei, hängt sie auf und nimmt sie später wieder ab. Pfarrer Bernhardt berichtet, dass Luisito diese Arbeit verteidigt und böse wird, wenn jemand anderes sie ihm wegnimmt.
Das Altenheim San Roque finanziert sich hauptsächlich durch Spenden. Die Stadtverwaltung trägt das Honorar einer Mitarbeiterin. Viele Mitarbeitenden engagieren sich ehrenamtlich. Die Bevölkerung setzt sich sehr für das Altenheim ein und spendet Lebensmittel. Dazu kommen Kleiderspenden. Kleidung, die von den Bewohnerinnen und Bewohnern nicht getragen werden können, wird in der Nähstube repariert, umgeändert und verkauft. Der Erlös kommt dem Heim zu gute. Die Stadt zahlt einen Beitrag, um das Projekt zu unterstützen, und Angehörige beteiligen sich so gut es geht.
Nachts bleibt immer eine ausgebildete Nachtschwester dort, um Wache zu halten und im Notfall eingreifen zu können.
In letzter Zeit wurden ein paar Neuerungen vorgenommen. Das Holz wird auch hier knapp und teuer, so dass ein neuer Gasherd angeschafft und an das Stadtgas angeschlossen wurde. Das Wassersystem mit Regenzisterne reichte nicht mehr aus. Deshalb wurden die Wassertanks verdreifacht. Mit Hilfe von Solarpanelen auf dem Dach wird Warmwasser erzeugt.
Weiterhin wird ein neues Häuschen angebaut, mit drei weiteren Zimmer, um die Anzahl der Nachfragen annähernd positiv beantworten zu können.
Wenn auch dies alles sehr positiv klingt, kann man anhand der Bilder erkennen, dass die Rollstühle in Montecarlo nicht mit denen in Deutschland zu vergleichen sind. Die Bäder in den Zimmern sollten besser ausgestattet werden, um sowohl den Betreuten als auch den Betreuern das Leben zu erleichtern.
Wir sind dort sehr herzlich aufgenommen und durchgeführt worden. Alle sind stolz auf das, was sie bisher erreicht haben. Die Bewohnerinnen und Bewohner sind zufrieden, dass sie dort eine Heimat gefunden haben. Spenden werden gerne angenommen.

Besuch in der Gemeinde in Eldorado
Am Karmittwoch hatten wir Gelegenheit, die St. Johannes Gemeinde in Eldorado zu besuchen, in deren Tagungsräumen schon zwei Mal Delegationen aus dem Kirchenkreis tagen und übernachten konnten. Wir fanden die Einrichtung baulich gut erhalten vor und inhaltlich ordentlich ausgelastet. Nur das Altenheim, das seit 50 Jahren in Betrieb ist, müsste im Hygienebereich dringend an die heutige Zeit angepasst werden. Aber wie soll das finanziert werden? Auch hier konnten wir einen kleinen Beitrag als Anstoß sozusagen überreichen.

Hier trafen wir auch den Koordinator der Jugendarbeit Carlos Kozel und verabredeten mit ihm Eckdaten für die Partnerschaftsreise 2019.

Am Karfreitag feierten wir mit der Gemeinde in Posadas Gottesdienst. Zur Erinnerung: Diese Gemeinde gibt es juristisch noch gar nicht. Eine Handvoll Menschen, in der Mehrzahl Glieder der Gemeinden im Hinterland der Provinz, die es aus ganz verschiedenen Gründe in die Hauptstadt Posadas verschlagen hat, haben sich zusammengetan, weil sie Gottesdienst miteinander feiern wollen. Zurzeit gehören 28 zahlende Mitglieder dazu, die ihrer neuen Gemeinde eine missionarische und diakonische Stoßrichtung gegeben haben. Geistliche Mittelpunkte der Gemeinde: Gottesdienst, Bibelstudium, Treffpunkt für Menschen jeden Alters, besonders aber der Studenten, die aus dem Hinterland an die verschiedenen Hochschulen der Stadt studieren. Diakonischer Schwerpunkt: Raum für die Menschen bieten, die ihre Angehörigen in die Krankenhäuser begleiten müssen, aber nachts nicht in den Kliniken bleiben dürfen. Zuerst wurde ein Wohnhaus angemietet; später ein strategisch sehr günstig gelegenes Haus im Stadtzentrum gekauft. Dieses wird für die Gemeindezwecke hergerichtet.

Aus alt mach neu
„Keinen neue Flicken auf alte Kleidung“ oder „Baue auf Felsen, nicht auf Sand.“ – Diese und weitere Sprüche kennen wir, wenn es darum geht, aus etwas Altem, Heruntergekommenen etwas Neues zu machen.
Was wird das? Fragen wir uns, wenn wir die Baustelle in Posadas sehen. Was wird das, frage ich mich, wenn ich höre, dass in Versmold ein Haus, das bewohnbar ist, erst abgerissen werden muss, um ein neues zu bauen? Was für Gelder haben die Entwürfe, der Architektenwettbewerb, die Baugenehmigung, usw. verschlungen? Was sehen wir bisher? Nichts!
In Posadas sind sie schon zwei Schritte weiter. Die Baugenehmigung ist da. Der Altbau abgerissen, das Fundament gegossen, die Träger gesetzt, die Decke gegossen worden. So sieht es schon wieder bewohnbar aus, die Fantasie reicht dazu, sich alles konkreter vorzustellen. Ob wir mit so viel Begeisterung und Elan dabei sein werden?
Nachdem die Gemeinde Karfreitag ihre neue Vikarin empfangen hat, ging es gleich von der lutherischen Kirche auf zur Baustelle. Ein paar Arbeitsgeräte mussten in den neuen, gerade fertig gestellten Bädern untergebracht werden, da es leider wieder einige nicht lassen konnten, in die Baustelle eingedrungen sind und etliche Geräte entwendet haben. Auch der eigentliche Gottesdienstraum, der vor kurzem eingeweiht wurde, musste vorübergehend als Lager genutzt werden. Alles alte, die nicht mehr haltbare Bausubstanz, musste abgetragen werden. Diese Steine werden aus Kostengründen nicht abtransportiert, sondern teilweise als Fundament, teilweise als Grundlage für den Estrich genutzt. „Das Gebäude ist abgängig“ hieß es in Bezug auf das alte Gemeindehaus in Versmold. „Das Gebäude war abgängig“, hieß es in Posadas. Jetzt stehen die tragenden Säulen, die Verschalung der Decke ist in Arbeit. In zwei Wochen wird es gegossen. Der Bauleiter, der sich mit all seiner Energie für sein „Baby“ einsetzt, ist sich sicher, dass der Innenausbau viel schneller von der Hand geht.
Wenn ... ja, wenn es in diesem Land keine Inflation und Spekulationen gebe. Der Bauleiter sagte, er sei einen Monat im Verzug, weil es im Januar keinen Zement gab. Die Baumärkte haben alle zur Verfügung stehenden Zementsäcke zurückgehalten, da ein Gerücht umging, dass der Dollar steigen würde. Erst als dies klar war, konnte wieder Zement – und diesmal zum erhöhten Preis – gekauft werden. Wir werden es verfolgen. Ich freue mich, das Projekt auf einem festen Fundament stehen zu sehen. Jetzt geht es sichtbar aufwärts.

Nach der Besichtigung der Baustelle, ging es weiter zu Vera Seifert. Chapeau vor dieser Frau. Alle, egal wer, egal wie viele, alle waren in ihr Haus eingeladen. Jede und jeder sollte etwas in seinem Korb mitbringen – Essen, Trinken, Teller, Besteck.
Die Tür zum Garten wurde aufgerissen, die Fensterläden geöffnet. Stühle aus allen Ecken herbeigeholt. Tische aufgestellt. Alle packten aus, was sie mitgebracht hatten. Es war eine Fülle an verschiedenen Essen .... ein Reden und Erzählen ... die Vikarin eröffnete das Essen mit einem gesungenen Gebet. Alle wurden satt. Es blieb so viel übrig.
Plötzlich kamen noch ein paar Leute mehr dazu. Alle rückten, alle schoben. Es war eine so unglaublich fröhliche, muntere und Energie geladene Stimmung. Gemeinschaft pur.
Erica Arning/Wilhelm Arning